[Hotel] Royal Savoy Lausanne

Die Geschichte

Etwas über die Geschichte des Hotels zu finden ist nicht einfach, auch nicht mit google. Erbaut 1909, schon damals mit der Intention die Aristokraten und Mächtigen anzulocken, war das 5-Sterne-Hotel lange im Familienbesitz. Die Richemond Héritage SA übernahm das Hotel, ohne jedoch die notwendig gewordenen Sanierungen vorzunehmen. Erst mit dem Einstieg von Katar konnten etliche der grossen Prestige-Hotels wieder auf Vordermann gebracht werden. Beim Royal Savoy hatte das aber ganze 6 Jahre gedauert und 100 Mio. CHF gekostet. Die lange Zeitdauer war dabei nicht nur auf den Neubau im Garten zurückzuführen, der etwas geschickt um die geschützten Bäume herumgebaut werden musste sondern auch mit dem Denkmalschutz, da viele der alten Fenster, der Aussenfassade, Ornamente im Inneren oder das Eingangstor mit der eigenwilligen Schrift unter Schutz stehen. Dadurch hat das Hotel aber auch etwas den alten Charakter behalten können.

Das Hotel

Von aussen hat man bald den Eindruck, vor einem Schloss zu stehen. Das Gebäude würde man eher auf einem weithin sichtbaren Hügel erwarten und nicht mitten in Lausanne, etwas eingezwängt zwischen Strassen. Wir sind eingeladen, an diesem Tag mit Marc Haeberlin, dem Signature Chef des Restaurants einen Nachmittag zu kochen und diese Gerichte gleich am Abend zu testen und eine Nacht zu bleiben, um auch gleich zu prüfen, wie gut es sich hier schlafen lässt. Wir kommen im strömenden Regen an (und verlassen das Hotel wieder bei strömendem Regen), der Ausblick auf den See und die Sonne in den Räumen fehlten somit. Dennoch haben wir uns gleich wohl gefühlt in dem wundervoll designten Ambiente.

Geprägt ist das durch die griechisch-stämmige Innenarchitektin Maria Katsarou Vafiadis von MKV Design, London, die sich nicht nur um die gesamte Inneneinrichtung sondern auch um den Spa gekümmert hat. Besondere Aufmerksamkeit hat sie dabei den Lampen gewidmet, die zwar etwas gewagt, aber im ganzen Haus dennoch eine Linie verfolgen. Mächtige zentrale hängende runde Leuchter, die mir jedoch das ein oder andere Mal zu viel Violett enthielten, wie auch zum Teil die schweren Samtvorhänge in tiefdunklem Violett. Die Wandlampen sind weitgehend klassisch, da sie aus den Anfangsjahren des Hotels stammen. Trotz dieses Stilwechsels harmoniert das Ganze.

Die Lobby wird durch die Bar mit einer hohen Abtrennung geteilt, was ich persönlich etwas schade finde. Der grosse Raum verliert dadurch etwas die Ausstrahlung. Positiv dabei ist, dass man etwas ruhiger und abgetrennter sitzen kann. In der Bar sitzt man auf sehr geschickt drehbaren Sesseln, überall hat man auf die Details grössten Wert gelegt. Die alten Fenster sind geblieben und bei den an orientalische Prägung erinnernden Ornamente an den Wänden wurde weitgehend der frühere Bestand wieder hergestellt.

Die Zigarrenlounge neben der Bar gleichfalls edelst eingerichtet mit einem grossen Angebot an Zigarren. Wir lassen es uns nicht nehmen, den Abend entsprechend ausklingen zu lassen.

Die Zimmer

Wir bekommen etliche Zimmer des Hotels gezeigt, die einfacheren Deluxe-Zimmer oder auch die grosszügige Corner Suite mit Blick auf den Genfer See, die sich mit CHF 1’000 pro Nacht aber dann doch nicht mehr jeder leisten kann. Aber auch schon die Deluxe-Zimmer haben höchsten Standard und sind sehr schön eingerichtet. Die alten Fotos an den Wänden lassen dabei die Nostalgie aufleben. Die Ornamente an Decken und Wänden wieder schön dezent, die Teppiche sind mit ihren starken Mustern aber fast etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Steuerung von TV etc. erfolgt über iPads, die Beleuchtung ist sehr dezent, das Bad perfekt und die Kapselmaschine für den Kaffee gleich bereit. Sogar für ein paar Vitamine ist gesorgt. Nach dem Abendessen ist das Licht schon gedimmt, die Hausschuhe stehen vor dem Bett und die Vorhänge sind zugezogen, welch ein Service.

Das Restaurant

Gastronomisch hat sich das Royal Savoy für einen anderen Weg entschieden als die anderen 5*-Schwergewichte vor Ort. Im Beau-Rivage Palace kocht Kevin Gatin 2 Sterne / 18 GM Punkte, unter Beobachtung der 3 Sterne Chefin Anne-Sophie Pic. Im Lausanne Palace Spa leitet Edgard Bovier die Brigaden der verschiedenen Restaurants mit Sterne-Niveau. Warum sich also in die Sterne-Schlacht werfen? Das Royal Savoy war schon vor der Renovierung nicht nur der Anlaufpunkt für betuchte Touristen sondern hatte sich auch um die Einheimischen gekümmert. Und so entschied man sich zwar nicht auf einen hoch dotierten Berater zu verzichten, aber dennoch eine Küche anzubieten, die unter Sterne-Niveau liegen kann (aber nicht muss). Mit Marc Haeberlin aus der Auberge de l’ill (seit 49 Jahren 3 Sterne!) fand den idealen Signature Chef für die Brasserie du Royal. Geleitet wird sie von Julien Krauss, einem ehemaligen Sous-Chef von Marc Haeberlin.

Ganz bewusst hat man auf eine regionale, französisch beeinflusste Küche gesetzt, die in diesem einzigen Hotel-Restaurant angeboten wird. Inwieweit man damit auch asiatische Gäste befriedigen kann, bleibt abzuwarten.

Die Karte setzt sich aus absoluten Haeberlein-Klassikern (z.B. Mousseline écrevisses, das wir zusammen mit Marc Haeberlin vor Ort gekocht haben) und moderneren Gerichten zusammen, preislich absolut akzeptabel für einen solch edlen Rahmen. Besonders mittags wird die Nachbarschaft schon mit einem Gericht unter CHF 30 und einem Menu unter CHF 50 gelockt, das ist äusserst moderat!

Das Frühstück

Mein Zug zurück nach Zürich geht um 7:20. Ich habe nur 15 min Zeit für das Frühstück, das ist definitiv zu wenig! Aber für einen Eindruck reicht es. In dem gleichen Raum, in dem am Abend das Menu serviert wurde, ist ein Frühstück gedeckt, das keine Wünsche offen lässt. Geschickt ist dabei die Aufteilung im Raum, Früchte, Yoghurts, Cerials auf der einen Seite, die herzhaften Zutaten mit Fisch, Käse, Wurst auf der anderen Seite.

Der Spa-Bereich

Der Spa-Bereich war eine Enttäuschung. Warum? Weil er noch geschlossen war! Wir haben das Hotel ein paar Monate zu früh besucht und konnten so den wunderschönen Spa-Bereich, der auch wiederum von der Architektin Maria Vafiadis gestaltet wurde. Der Spa-Bereich mit seinen Innen- und Aussenbecken, die terrassiert angelegt sind, befindet sich im neuen Gebäudetrakt der momentan, Anfang 2016, noch nicht geöffnet ist. Nach der Öffnung ist der Spa-Bereich dann sicher keine Enttäuschung mehr!

Fazit

Auch nach der Renovierung trägt dieses ehrwürdige Gemäuer noch den Hauch der alten Zeit in sich, im positiven Sinne! Heute würde man so nicht mehr bauen und es ist schön, dass man sich entschieden hat, in dieses Anwesen zu investieren. Im Inneren harmoniert die Moderne perfekt mit dem Bestehenden. Besonders gut gefallen hat der Restaurantbereich, bei dem man zuerst durch einen hell erleuchteten „begehbaren Weinschrank“ läuft, direttissima auf die grossen Fleischstücke im Kühlregal. Mutig in der heutigen Zeit, wo schon vegetarisch nicht mehr up to date ist und es unbedingt vegan sein muss. Aber wenn man sich die Karte anschaut, dann ist bei klassischer Taube mit Foie gras sowieso der Liebhaber opulenter Küche gefragt.

Der Neubau, der Spa und die phantastische Terrasse ganz oben mit Blick auf den See sind noch nicht eröffnet, werden dem Hotel aber sich noch weitere Aufmerksamkeit zuteil kommen lassen.


 

Informationen

Hotel Royal Savoy Lausanne

40 Avenue d’Ouchy
Lausanne 1006

Telefon: +41 (0)21 588 11 78

E-Mail:  info@royalsavoy.ch

 

Besucht am 24.02.2016

FoodFreaks wurde zusammen mit anderen Vertretern der Presse eingeladen zu einer Kochsession mit Marc Haeberlin und dem Chefkoch Julien Krauss, dem gemeinsamen Abendessen sowie der Übernachtung im Hotel.

Die Einladung hat keinen Einfluss auf die Beschreibung und die Bewertung über das Hotel und Restaurant.

Lage des Hotels

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