[Restaurant] Lamm in Bühl

Der Gault Millau ist für mich in der Schweiz meine Gourmet-Bibel. Ausführliche Beschreibungen sind auch immer etwas subjektiv, doch allein dadurch kann sich jeder ein Bild machen, ob ihm das, was der Tester beschreibt, gefällt oder nicht.

Deutschland hat den Vorteil, dass der Gault Millau sämtliche Beschreibungen online stellt. Also nichts einfacher, als schnell nachzuschauen, wenn wir in unserer alten Heimat Baden ein gutes Restaurant suchen. Dachten wir. Das Suchen und Finden hat auch schnell geklappt, wir haben im Lamm in Bühl reserviert. 14 Punkte, hört sich gut an. Michelin-Eintrag haben sie auch.

Atmosphäre

Im Restaurant sind wir überrascht von den schönen, vorsichtig renovierten Räumlichkeiten, die man hinter der etwas unschönen Fassade des Eckhauses nicht erwartet. Wir müssen eine Weile warten, wohl auch, weil fast alle Gäste auf der Terrasse sitzen und die Bedienungen weite Wege haben. Wir verzichten aber auf den Platz auf der Terrasse, auf der die Gäste eng bestuhlt auf Plastik sitzen und sämtliche Neuankömmlinge argwöhnisch begutachtet werden (Hinweis: der Besuch war im August 2013, die Blogerstellung hat etwas gedauert…).

Innen sind wir fast allein, hören nur ab und zu die laute Stimme des Kochs, der an diesem Tag mit dem Personal nicht gerade in Einklang zu sein scheint. Ob es der Chef Ludwig Bechter persönlich ist, wissen wir nicht, der Akzent hört sich nicht unbedingt Österreichisch an, denn daher kommt der Koch, der unter anderem auch bei Witzigmann gelernt hat.

Bestellen

Nach den Plastikstühlen ist das Angebot auf der Karte der nächste Schreck. Nichts gegen eine kleine Karte, aber wir haben hier schon sehr Mühe, etwas auch nur leicht Anregendes oder Innovatives zu entdecken, das sich von anderen Gasthöfen in der Umgebung unterscheidet.

Noch schlimmer wird es beim Wein. So gerne hätten wir von den Österreichern getrunken, doch die gibt es ausschliesslich als Flasche und auch auf Nachfrage nicht im Offenausschank. So müssen wir auf die badischen Burgunder zurückgreifen. Es gibt grau, weiss und spät, die meisten davon halbtrocken. Wir wählen weiss und rot, wobei erstaunlicherweise beide zu warm serviert werden.

Das Essen

Ein kleiner Gruss aus der Küche, Matjes auf Zwiebel-Apfel-Creme ist fein, das Radiccioblatt an der Seite hat die letzten Stunden im Kühlregal aber nicht wirklich überstanden und hängt nun leblos und verwelkt am Tellerrand.

Das „Thunfischcarpaccio mit Limettensaft und kalt gepresstem Olivenöl mariniert“ ist etwas zu warm, ansonsten aber schön angerichtet und geschmacklich gut abgestimmt.  S. hat sich mangels anderer Optionen für die Salatvariationen entschieden, auch diese soweit in Ordnung. Die Brötchen sind nach der Vorspeise aus, man bietet uns an, das der Chef neue aufbacken kann. Ist nicht nötig, denn geschmacklich ist die Mischung der dreierlei Sorten nicht so, dass man noch mal danach fragt.

Als Hauptgang wählt S. ein Ossobuco mit Steinpilzravioli und geschmorten Zucchini, Auberginen, Paprika und Tomaten. Die Teller sind grosszügig gefüllt, obwohl sie eigentlich nur eine halbe Portion bestellt hatte. Unter einem Ossobuco stellt man sich ein Stück Fleisch vor, das durch das lange Schmoren praktisch im Munde zerfällt. Dieses Ossubuco entpuppte sich jedoch als eine äusserst zähe Angelegenheit und darüber hinaus geschmacklich sehr enttäuschte.

Die gebratenen Gambas mit hausgemachten Steinpilzravioli und gebratenen Artischocken waren soweit in Ordnung, jedoch ohne eine geschmackliche Überraschung.

Die Chefin Elfriede Deiss wollte uns das Ossobuco anschliessend sogar noch zum Mitnehmen einpacken, da mussten wir dankend ablehnen und ihr erklären, dass wir mit der Qualität alles andere als zufrieden waren, was sie mit deutlicher Missbilligung zur Kenntniss genommen hatte. Nachdem sie mit dem Gericht in der Küche verschwunden ist und wohl dem Koch von unserer Unzufriedenheit berichtet hat, hörte man nur ein lautes „Dann sollen sie halt zuhause essen, wenn es ihnen nicht passt.“ Das war dann definitiv Grund genug, auf Dessert und Kaffee zu verzichten. Auch in anderen Kommentaren im Internet findet man immer wieder Hinweise, dass der Gast bei Frau Deiss nicht gerade mit Respekt behandelt wird. Davon konnten wir uns leider den ganzen Abend überzeugen.

Einige Bekannte hatten uns dann im Nachhinein unsere negativen Erfahrungen bestätigt. Was ich dabei aber nicht nachvollziehen kann, ist die positive Bewertung der Gourmet-Bibeln. Denn das vom Michelin hervorgehobene Preis-Leistungsverhältnis ist hier eher schlecht, da die Leistung so zu wünschen übrig lässt. In der Umgebung von Bühl gibt es zahllose Gaststätten, die nicht derart ausgezeichnet sind und bedeutend bessere Küche servieren.

 

Kappelwindeckstraße 15

77815 Bühl

Deutschland

Tel. +49 7223 900180

 

Mittwoch–Samstag
ab 18.00 Uhr

An Sonn- und Feiertagen
11.30–14.00 Uhr
18.00–22.00 Uhr
(warme Küche)

Ruhetage: Montag und Dienstag

 

Besuch am 17. August 2013

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