[Restaurant] San Pietro in Cetara, Italien

Über 1000 km waren wir von Zürich nach Neapel schon unterwegs, aber leider konnte uns die italienische Küche dieses Mal noch nicht wirklich überzeugen. Am ersten Abend in Cinque Terre konnten weder der versandete Pulpo mit Kartoffeln noch die Ravioli in grüner Oliven-Pesto wirklich begeistern, am zweiten Abend nicht die etwas faden Pasta und nicht die zwei hauchdünnen Scheiben Fleisch (für € 35!) und so wollen wir an diesem Mittag auf Nummer sicher gehen.

An der Amalfiküste angekommen erscheint es uns ein schier unmögliches Unterfangen ein nicht überteuertes Restaurant zu finden. Wir blättern also verzweifelt in unserem Slowfood-Führer Italien und finden da tatsächlich ein mit der Schnecke gekennzeichnetes Restaurant. Die telefonische Reservierung zeigte Erfolg, vor 1 Uhr brauchen wir an einem Wochenende in Italien aber nicht in einem Restaurant aufzutauchen. Kein Problem, denn wir sind noch ein paar Kilometer entfernt und der Verkehr ist auf der Küstenstrasse vergleichbar mit dem Feierabendverkehr in Zürich. Mit dem Unterschied, dass noch Nebensaison ist. Wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, wie das bei einem normalen August-Tag aussieht.


Nach erfolgreichem Parcour in den verwinkelten Gassen von Cetara mit einem Auto, das von den Ingenieuren definitiv nicht für derartige Situation konzipiert wurde und dem gelungenen Ausfüllen der Parkkarten, die erst mit dem Lotto-ähnlichen Abrubbeln von Zahlen ihre Gültigkeit gewinnen, sitzen wir endlich am Ziel unserer kulinarischen Vorfreude, dem Restaurant San Pietro.

Wir sind die einzigen Ausländer an einem kalten und verregneten Wochenende und lassen uns wie die Italiener im vollbesetzten Restaurant behaglich in die bequemen Stühle fallen, um uns die nächsten Stunden ausgiebig mit Essen zu befassen.

Nach dem obligatorischen Lesen der Karte (sogar in Englisch verfügbar), geben wir uns dann doch den Ratschlägen des Kellners (sogar in Englisch verfügbar!) hin und befolgen diese genauestens. Wir wählen die vier verschiedenen Vorspeisen, dann eine Primi Piatti und eine Secondi Piatti, denn für jeden noch zwei Gänge hätten wir nicht geschafft.

Es folgte ein herrlicher, mit vielen fremden Geschmäckern versehener kulinarischer Ausflug in die Geschmäcker der Region.


Gemüse-Suppe mit geräuchertem Pulpo

Die Gemüsesuppe hat auf den ersten Blick eigentlich nichts mit einer Suppe zu tun. Wenn schon, dann wäre die Bezeichnung Eintopf treffender, aber auch dafür hat es wirklich nur sehr wenig Flüssigkeit in diesem Gericht. Was aber dem Geschmack gar nicht schadet! Es entsteht der Eindruck, sich in diesem Gericht einmal durch den Gemüsegarten der Nonna zu essen – sehr interessant und gut.


Geräucherter Thunfisch mit Colatura

Die dünne Scheibe Thunfisch war dezent geräuchert und wurde leicht warm serviert. In Öl eingelegt, mit etwas Mohn verfeinert und mit Colatura beträufelt. Colatura ist eine Spezialität der Region, insbesondere von Cetara selbst und wird schon seit Jahrtausenden hergestellt. Die Römer nannten diese Fischsauce „Garum“. Die hochkonzentrierte Flüssigkeit dient zum Würzen und wird aus Sardellen hergestellt. Der ganze Herstellungsprozess zieht sich über Monate hin. Zwischen März und Juli werden die Sardellen in der Bucht von Salerno gefangen. Die rohen und geputzten (Kopf und Innereien weg) Sardellen werden dann zuerst einen Tag in Salzlake eingelegt.

Anschliessend werden sie in Lagen mit Salz senkrecht in ein Fass geschichtet und am Ende mit Steinen beschwert und gepresst. Die Flüssigkeit, die sich entwickelt, steigt durch den Druck nach oben und wird dort abgeschöpft. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit wird in der Sonne weiter reduziert und anschliessend wieder in die Fässer gegossen. Die Sauce fliesst nach unten, nimmt dabei nochmal die Geschmäcker auf und wird unten im Fass entnommen.

Die Colatura di Alici (so heissen die Sardellen auf italienisch) sind von Slowfood als Presidio (d.h. regionale ausgezeichnete Spezialität) besonders prämiert.
Durch den hohen Salzanteil ist die Sauce extrem salzig. Beim Verwenden als Sauce für Pasta sollte man die Pasta ohne Salz kochen.


Gegrillte Sardellen

Gegrillte Sardellen sind nicht unbedingt etwas besonderes. Ausser in diesem Fall die Qualität, denn sie werden direkt vor der Haustüre gefangen. Ausserdem wurden sie mit einem Olivenöl mit ganz fein geschnittenem Pfefferminz und Koriander serviert, was den kleinen Fischen einen ganz besonderen Geschmack gegeben hat.

Die Verwendung von Pfefferminz mit Öl ist uns im Cilento häufiger begegnet und wird auch bei Thunfisch serviert.


Gegrillte Shrimps mit Zitronen-Sauce

Die gegrillten Shrimps, ebenfalls direkt aus der Region, werden mit Schwanz gegessen, da die Schale besonders weich gedünstet wurde. Mit Olivenöl und Zitrone verfeinert, ein besonderer Genuss.


Spaghetti Vongole

Definitiv die besten Spaghetti Vongole, die ich je gegessen habe. In diesem Gericht mit sehr dicken Spaghetti und mit kleinen Tomaten. Normalerweise bevorzuge ich die hauchdünnen Spaghetti für die Vongole, aber diese waren geschmacklich ausgezeichnet.


Gekochter Fisch in Zitronensauce

Fisch liebe ich gebraten, selten gekocht. Aber um das typische Gericht der Region zu testen, habe ich mit für den gekochten Fisch entschieden. Feine Aromen, die von der dezenten Zitronensauce unterstützt wurden, anbei etwas Risotto. Ein gelungener Abschluss.


San Pietro
Piazza San Francesco, 2
84010 Cetara Salerno
Italien
tel.: +39 089 261091
web: www.sanpietroristorante.it
facebook:  https://www.facebook.com/Ristorantesanpietro.cetara

Wir haben das Restaurant Mittags am 19. April 2014 besucht.

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