[Produkt] Saft von „van Nahmen“ im Maison Manesse

Wein oder ...?

Hand auf’s Herz. Wer von euch würde bei einem schönen Essen in einem ausgezeichneten Restaurant mit einer ewig langen phantastischen Weinauswahl (die der Einfachheit halber in einer profanen xls-Liste präsentiert wird) freiwillig auf ein schönes Gläschen Wein verzichten? Wohl nur diejenigen, die zum Chauffeurdienst verdonnert sind oder eine Unverträglichkeit haben. Sonst wohl niemand.

Das könnte sich aber in Zukunft etwas ändern. Denn es breitet sich selbst in den Gourmet-Restaurants ein anderes Getränk aus, das es bei dem ein oder anderen Gang mit dem Wein durchaus aufnehmen kann: der Saft. Ausgerechnet Saft! Den die Kinder bekommen, wenn Cola oder Fanta nicht erlaubt sind. Was Gesundes.

Saft im Manesse

Wir waren jedenfalls erstmal überrascht, als die Einladung zu einer Kostprobe von der Obstkelterei Van Nahmen in die Mailbox flatterte. Interessant an der Sache war jedoch, dass die Verköstigung nicht einfach in einer Bar stattfinden sollte, sondern im 1-Stern-ausgezeichneten Maison Manesse. Es hätte nicht besser passen können: legere Atmosphäre, lockerer Service, experimentierfreudige Küche, die für ein solches Event ein wesentlich besserer Platz ist als ein traditionelles Zürcher Haus mit Rösti.

Also schnell zusagen und sich auf das Experiment einlassen, einen Abend ohne Wein im Restaurant sollte man ja überstehen können.

Die Familien-Obstkelterei gibt es seit 1917, seit 1930 wird Saft produziert. Auch heute, in dritter und vierter Generation, steht die Qualität im Vordergrund. Aber es kommt noch etwas hinzu: die Innovation. Bei Saft? Ja, auch da. Erstens beschreitet man mit neuen Früchten neue Wege (oder habt ihr schon mal einen Aroniasaft getrunken?), zum anderen der Weg in Richtung Gourmet-Restaurants.

Man setzt auf sortenreinen Saft von Obst aus Streuobstwiesen, Direktsaft (keine Konzentrate), eine faire Behandlung der Lieferanten und auf Nachhaltigkeit.

Obstkelterei van Nahmen GmbH & Co. KG
Diersfordter Straße 27
46499 Hamminkeln

Tel.: +49 (0) 28 52 / 960 99 0

URL: www.vanNahmen.de
Email: info(at)vanNahmen.de
Facebook: van.Nahmen

Vertrieb in der Schweiz:

Scala Vini-Scala Gusti
Hauptstrasse 65
CH-3706 Leidigen

und in Zürich bei:

Käsers Schloss
im Viadukt in Zürich

Als Kind war ich im Badischen immer in den Feldern unterwegs, Hasen und Fasane beobachten, die sich unter den Obstwiesen tummelten. Es gab herrlich knorrige alte Birn- und Apfelbäume, die sich mit anderen Obstsorten abwechselten. Heute finde ich weder Hasen noch Fasane, die alten Knorren sind abgesägt. Wie in der Gesellschaft so auf der Wiese, jeder bleibt dem Alter entsprechend unter sich. Abgegrenzt.

Wenn Peter von Nahmen von den Wiesen erzählt, glühen seine Augen. Fast 10 Jahre braucht es, bis die ersten Äpfel an den vereinzelten Bäumen kommen, ab 25 Jahren werfen sie 2-400 kg jedes Jahr für die nächsten 50 Jahre ab. Je älter, desto besser, da dann das ganze Aroma in den Apfel geht. Gedüngt wird durch die Rinder, die unter den Bäumen weiden. Die halten dann auch gleich die Wiese kurz. Was dazu führt, dass die kleinen Käuze, die in den Bäumen nisten, die Mäuse auf der Wiese gut sehen. Der Kreislauf schliesst sich. In der letzten Zeit schicken die Bauern ihre Rinder seltener auf die Wiese, es lohnt sich nicht mehr. Die Käuze verschwinden, da sie die Mäuse nicht mehr finden.

Es gibt unzählige alte Obstsorten, nicht nur beim Niederrhein. Aber sie sind aus dem Leben verschwunden, die Diversität passt nicht in das Konzept der Supermärkte. In der Schweiz wird mit ProSpecieRara dagegen gehalten, aber die Mehrheit greift dennoch zum Einheitsbrei (oder -Apfel). Nicht so bei van Nahmen, hier presst man sortenreine Säfte. Und nicht zu wenig!

Und das sind die Obstsorten vom Niederrhein, die van Nahmen unterstützt, z.T. erstmal nur durch Pflanzungen:

Apfelsorten
  • Eifeler Rambour
  • Finkenwerder Prinzenapfel
  • Goldparmäne
  • Graue Französische Renette
  • Graue Herbstrenette (Rabau)
  • Gravensteiner
  • Kaiser Wilhelm
  • Purpurroter CousinotRoter Bellefleur
  • Rote Sternrenette
  • Rheinischer Bohnapfel
  • Rheinische Schafsnase
  • Rheinischer Winterrambour
  • Schöner von Boskoop
  • Schöner von Elmpt
  • Schöner von Nordhausen
  • Weißer Winterglockenapfel
  • Zabergäu Renette
Birnensorten
  • Alexander Lucas
  • Gellerts Butterbirne
  • Gräfin von Paris
  • Vereinsdechantbirne
Süßkirschen
  • Büttners Rote Knorpelkirsche
  • Schneiders Späte Knorpelkirsche
Zwetschgen
  • Hauszwetschge
Quitten
  • Konstantinopeler Apfelquitte
  • Portugieser Birnenquitte
Eßkastanie
  • Castanea Sativa
Walnuß
  • Juglans Regia

Ein Liter Apfelsaft kostet bei Aldi € 0.59 (aber wer kauft schon dort??). Der Liter Streuobst-Apfelsaft bei van Nahmen € 3.93. Die sortenreinen Säfte sogar € 5.27 der Liter.

Lohnt sich das?

JA!

Mittlerweile kommen 30% des Obstes von Säften aus China, was ökologisch sicher nicht unbedingt sinnvoll ist. Zweitens schmecken die Billigsäfte nicht. Drittens unterstützt man mit dem Kauf von so einem Saft sowohl die Natur als auch die regionalen Lieferanten, die sich damit um die Natur kümmern können.

Einen Wein kauft man auch nicht für 3 oder 4 €, also lasst euch vom Preis nicht abhalten und gönnt euch was Ordentliches!

Wir waren von der Kelterei van Nahmen zu dem Dinner mit der Verköstigung der Säfte eingeladen. Dennoch schreiben wir hier unsere Meinung und lassen uns nicht von Einladungen beeinflussen.

Erntezeit für Obstkelterei van Nahmen


 

apero. TRAUBE. SECCO.

Wir starten mit einer Odyssee der Geschmackssinne. In einem speziell angefertigten Gefäss saugen wir schlürfend Süsses, Saures, etc. Wir waren erst 2 Wochen vorher im Manesse und sind mit dem Schlürfen schon vertraut. Ein Experiment. Dazu den Traube Secco, prickelnd und doch ohne Alkohol (schade, aber das ist ja schliesslich der Sinn von dem Abend). Die Trauben werden früh geerntet, um nicht zu viel Süsse beizusteuern, dafür etwas Säure. Gelungener Start.


 

pulpo. sellerie. orange. olive. APRIKOSE. .

Fabian Spiquel kommt vor jedem Gang vorbei und erklärt uns kurz, was er auf den Teller gezaubert hat. Die Sommelière Romana Echensperger findet anschliessend immer die richtigen Worte zu den servierten Säften. Der Abend ist gedacht, uns eine möglichst grosse Vielfalt zu bieten und bewusst übertrieben, 2 Säfte pro Gang und das bei 6-7 Gängen, danach kennt man sich aus. Oder braucht erstmal einen Schnaps 😉

Der Aprikosennektar harmoniert sehr gut zum Pulpo und der Orange. Wir sind überrascht von der Kombination, Saft geht also doch!


 

suppenhuhn. körner. heu. BIRNE. STERNRINNETTE.

Der Gang selbst leider enttäuschend, der hatte mir schon vor 2 Wochen nicht zugesagt. Suppenhühner sind phantastisch, wenn sie in einer heissen fettigen Brühe schwimmen und ich finde es schade, dass man sie heute nur noch auf dem guten Wochenmarkt findet. Aber kalt mit Rollgerste und Heubrot hat wenig überzeugt. 

Der Williams-Christ-Birnen– und ein roter Sternrinnettensaft (Apfel) hat jedoch etwas Cremigkeit in das Gericht gebraucht, wobei die Birne fast besser kombinierte.


 

ei. pilze. bärlauch. federkohl. JOHANNISBEERE. QUITTE.

Jochen vom Service leistet Schwerstarbeit. Bei ca. 20 Personen und ca. 16 Säften, die wir serviert bekommen sind das 320 schöne Weingläser, die befüllt, aber hinterher auch wieder gespült werden müssen!

Vor lauter Erzählungen vergesse ich wohl das Foto des Gerichts. Aber wir sind heute ja auch wegen dem Saft hier. Und zu Ei passt eh kein Wein! Der rote Johannisbeernektar überzeugt vollkommen. Schöne Säure, er kann es gut mit einem Wein aufnehmen. Quitte kenne ich nur als Gelee, passt aber auch ganz hervorragend zum Essen.


 

speck. sauerkraut. apfel. senf. CIDRE. BOSKOOP

Das Schwein und Apfel zusammen passen, weiss jeder. Aber sicher trinken die Wenigsten Cidre oder Apfelsaft zu Speck und Sauerkraut. Passt aber. Sehr gut. Besser als Wein!


 

skrei. kartoffel. jus-gras. TRIUMPHBEERE. RHABARBER.

Die rote Triumphbeere ist eine Stachelbeere und wird von Kleinbauern in Mittelbaden kultiviert. Stachelbeeren waren schon immer in den Marmeladen meiner Oma, nun gibt es die säuerlichen Beeren als naturtrüben Nektar. Bei diesem Gericht mit Skrei (Kabeljau) und Kartoffel konnte aber der klare Rhabarber besser überzeugen. Kein Saft, von dem man ein paar Gläser hintereinander trinkt, der aber ganz hervorragend für die Begleitung von speziellen Gerichten eingesetzt werden kann.


 

wasser-büffel. bbq. frühlingszwiebel. ARONIA. WEISSER PFIRSICH

Die nächste Kombination wirklich sehr spannend. Der 72-Stunden-gegarte Büffel mit Frühlingszwiebel erwartet normalerweise einen schweren Roten. Den gab es auch, in Form von einem Aroniabeerensaft, sehr viele Gerbstoffe, der damit auch hier fast besser passte als ein Wein.


 

süsses. nichts. karotte. kardamom. yuzu-mandarine. RUBINETTE. APFEL.

Zuerst das süsse Nichts, dann die Karotte mit Kardamom und Yuzu-Mandarine und Sauerrahm-Glacé. Gut dazu der Rubinette-Apfelsaft und aber der reif von Hand geerntete Weisse Pfirsich hat noch besser gepasst.


 

Fazit

Wein gibt es in unzähligen Facetten, und doch liegt dem Wein ein Grundstoff zugrunde: die Traube. Die Säfte, die wir an dem Abend konsumieren konnten, gingen geschmacklich in ganz neue Richtungen und konnten uns absolut überzeugen.

Sicher würde ich auch in Zukunft bei einem schönen Dinner nicht auf den Wein verzichten wollen. Aber bei manchen Gängen könnte ein Saft durchaus besser harmonieren als der Wein. Insbesondere bei dem Gang mit dem Speck hat der Apfelsaft absolut Vorrang.

Wir haben noch ein paar kleine Flaschen von den Säften und überlegen uns schon, ob man daraus auch nicht noch etwas Feines kochen kann.

Etwas anderes hat uns aber auch gefallen: die echte Begeisterung, die sowohl von der Familie van Nahmen als auch von der Sommeliere. Da ist jemand zurecht überzeugt. Mit der fairen Behandlung der Lieferanten und der Unterstützung des Naturschutzes geht man zudem in eine nicht einfache, aber dafür in die richtige Richtung!


 

Wein am Limit - 53. Folge Peter van Nahmen 2012

Standort Van Nahmen

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