Essen | Unterwegs

KHOURIS – eine Oase in Rot

17/05/2026
Christian

Das KHOURIS hat noch keine drei Monate geöffnet und ist schon jetzt eine Institution. Während in Zürich gefühlt 90% aller Restaurants Sonntags geschlossen haben, warten im KHOURIS immer noch Leute auf einen freien Tisch, als wir um halb 10 das Restaurant verlassen. Seit der Eröffnung hat hier weder der überaus freundliche Service noch die trotz Andrang zügig arbeitende Küche eine freie Minute. Die ideale Lage zentral im Seefeld beschert dem neuen Restaurant sowohl viele Business-Gäste am Mittag als auch am Abend die Gäste aus dem Quartier. Äusserst sympathisch ist auch die vollkommen gemischte Zusammensetzung der Gäste, das kennt man eher aus dem Kreis 4. Selbst vom Alter her gibt es keine spezifische Gruppe, die alles dominiert.

Aber es ist nicht allein die Lage, die für das volle Restaurant verantwortlich ist. Das Khouris ist einfach etwas ganz besonderes. Die Geschichte hinter dem Restaurant ist alleine schon eine wunderbare Story. Eine ganze Familie zieht hier an einem Strang, um die alten Traditionen der Gastfreundschaft zu pflegen. Es wird zusammen gekocht, gefeiert, gearbeitet, und was dabei herauskommt, ist einfach unglaublich. Sami kreiert Ideen, auf die andere in ihren kühnsten Träumen nicht kommen. Private Dinner, Foodtrucks, palästinensicher Imbiss in der Langstrasse, riesiges Pop-up im ehemaligen Kosmos in der Europaallee, in dem die alte Bar des Hotel Savoy aufgestellt wurde (die er nach dessen Schliessung irgendwo aufbewahrt hatte), dazu Events, von denen man nur erfährt, wenn man auf der Liste ist und trotzdem kommen Hunderte Gäste.

Wer nicht gleich draussen an einem der zahlreichen Tische Platz nimmt, taucht mit dem Eintreten in das Restaurant in eine andere Welt ein. Wer rotes Licht nicht mag, ist definitiv fehl am Platz und so sind auch unsere Fotos eingetaucht in ein übermächtiges Rot. Gemütlich ist auch die ganze Atmosphäre, egal ob man an kleinen Tischen, auf Sofas oder am Tresen sitzt, an dem man ständig sieht, was los ist. Die Gäste sind erstmal vertieft in grosse Zeitungen, erst auf den zweiten Blick erkennt man die Speisekarte in Zeitungsformat. Der Inhalt macht Spass zu lesen und inzwischen dürften die meisten Menschen wissen, was ein Hummus ist. Bei den anderen Gerichten ist es nicht ganz selbstverständlich und so gibt es hier eine kleine Einführung in die Welt der kalten Mezze: 

 

Hummus
Hummus gehört zu den Grundpfeilern der levantinischen Küche und besteht in seiner klassischen Form nur aus wenigen Zutaten: weich gekochten Kichererbsen, Tahini aus geröstetem Sesam, Zitronensaft, Knoblauch und Salz. Entscheidend ist weniger das Rezept als die Textur – guter Hummus wird besonders lange püriert und oft zusätzlich durch ein Sieb gestrichen, damit er fast cremig wirkt. In Palästina, Libanon oder Israel wird Hummus selten als Vorspeise verstanden, sondern eher als eigenständige Mahlzeit, serviert mit warmem Fladenbrot, Olivenöl, manchmal ganzen Kichererbsen oder Fleisch und Pinienkernen. Regional unterscheiden sich Säure, Knoblauchmenge und Sesamanteil teils deutlich.
Babaganoush
Babaganoush basiert auf Auberginen, die traditionell direkt über Feuer oder Holzkohle geröstet werden. Dadurch bekommt das Fruchtfleisch ein rauchiges Aroma, das den Charakter des Gerichts bestimmt. Nach dem Garen wird die Aubergine mit Tahini, Zitronensaft und Knoblauch vermischt, teilweise auch mit Joghurt oder Granatapfelkernen ergänzt. Anders als Hummus lebt Babaganoush stärker von Röstaromen und einer leicht bitteren Tiefe. In vielen Küchen der Levante wird Aubergine fast täglich verwendet – kaum ein anderes Gemüse prägt die Region ähnlich stark.
Muhammara
Muhammara stammt ursprünglich aus Aleppo und gehört zu den aromatisch komplexesten Mezze der Region. Die Basis bilden geröstete rote Peperoni und Walnüsse, dazu kommen Knoblauch, Chili, Kreuzkümmel und fast immer Granatapfelsirup, der dem Dip seine charakteristische süss-säuerliche Tiefe gibt. Oft werden zusätzlich Brotkrumen oder geröstetes Fladenbrot eingearbeitet, um die Konsistenz dichter zu machen. Muhammara verbindet mehrere typische Elemente der levantinischen Küche gleichzeitig: Röstaromen, Säure, leichte Schärfe und den grosszügigen Einsatz von Nüssen und Gewürzen.
Labneh
Labneh ist ein abgetropfter Joghurt, der durch das langsame Entfernen der Molke deutlich dichter und cremiger wird als normaler Joghurt. In der Levante gehört Labneh zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln und wird häufig bereits zum Frühstück gegessen – serviert mit Olivenöl, Za’atar, Gurken, Oliven und Fladenbrot. Je nach Abtropfzeit reicht die Konsistenz von weich-cremig bis fast frischkäseartig. Geschmacklich verbindet Labneh eine milde Säure mit leichter Frische und eignet sich deshalb gut als Ausgleich zu würzigen oder frittierten Gerichten. In vielen Familien wird Labneh bis heute zuhause hergestellt, oft aus Schafs- oder Ziegenmilch.
Tabouleh
Tabouleh wird ausserhalb des Nahen Ostens oft missverstanden: Eigentlich handelt es sich nicht um einen Bulgur-, sondern um einen Kräutersalat. Petersilie bildet die Hauptzutat, ergänzt durch Minze, Frühlingszwiebeln, Tomaten und nur wenig feinen Bulgur. Das Dressing aus Zitronensaft und Olivenöl sorgt für starke Frische und Säure. Besonders im Libanon gilt Tabouleh als kulinarisches Kulturgut; dort wird grossen Wert auf sehr fein gehackte Kräuter und eine lockere Konsistenz gelegt. Der Salat lebt weniger von Gewürzen als von Kräutern, Säure und hochwertigen Zutaten.
Khyar Bil Laban
Khyar bil Laban bedeutet wörtlich „Gurken mit Joghurt“ und gehört zu den klassischen kalten Beilagen der levantinischen Küche. Fein geschnittene Gurken werden mit Joghurt, Minze und manchmal Knoblauch vermischt. Das Gericht wirkt auf den ersten Blick schlicht, spielt kulinarisch aber eine wichtige Rolle: Die Kombination aus Säure, Frische und Kühle balanciert besonders gut schwere, würzige oder gegrillte Speisen aus. Verwandte Gerichte existieren in vielen Küchen der Region – vom türkischen Cacık bis zum persischen Mast-o-Khiar –, unterscheiden sich jedoch in Kräutern, Konsistenz und Gewürzen. In der Levante wird Khyar bil Laban oft eher dick und cremig serviert als flüssig.

Auf der gemischten Mezzeplatte für CHF 39.- pro Person findet ihr Hummus, Babaganoush, Labneh, Muhammara, Falafel, Fattoush und hausgemachtes flaches Brot. Sehr empfehlenswert sind übrigens die Saucen Toum und Harissa. Die Pasten wie Hummus sind in den kleinen Schalen schon so an die Seitenwand gestrichen, dass sie geradezu einladen, sie einfach dem Brot aufzunehmen. Natürlich könnt ihr die Mezze auf einzeln bestellen, preislich liegen sie zwischen CHF 12 und CHF 21.

Die Weinkarte hat ein paar Posten, die man hierzulande nur selten im Glas findet: Weine aus Palästina und dem Libanon  – aus Gegenden also, in denen seit Jahrtausenden Wein angebaut wird, die international aber kaum mit Weinbau assoziiert werden. Die roten und der weisse Nadim stammen aus Taybeh bei Bethlehem, einem kleinen palästinensischen Ort mit überraschend lebendiger Wein- und Brautradition. Während der Nadim Merlot wie zu erwarten aus Merlot gekeltert wurde, ist der Nadim Grand Reserve mit Cabernet Sauvignon ebenfalls eine internationale Rebsorte. Der Weisse wird aus der autochthonen Rebsorte Zeini produziert, mit kräftiger Säure und Apfelaromen.

Auch das libanesische Château Kefraya aus dem Bekaa-Tal verweist auf die lange Weintradition der Levante. Die Rotwein-Cuvée verbindet Rebsorten wie Shiraz, Mourvèdre oder Grenache, die man eher aus dem Süden Frankreichs kennt, während der Blanc Chardonnay mit Vermentino kombiniert. Gerade diese Mischung aus vertrauten Rebsorten und ungewohnten Herkunftsorten macht die Karte besonders spannend. Wer keinen Wein mag, dem bleiben immer noch die spannenden Mischungen, aus denen die Cocktails gemischt sind, übrigens auch alkoholfrei.

Kibbeh
Kibbeh gilt in vielen Ländern der Levante als Nationalgericht und existiert in unzähligen regionalen Varianten. Die klassische Version besteht aus einer Hülle aus fein gemahlenem Bulgur und Fleisch, meist Lamm oder Rind, die mit einer würzigen Hackfleischfüllung geformt und frittiert wird. Gewürzt wird häufig mit Zimt, Piment, schwarzem Pfeffer oder Muskat. Die Zubereitung gilt als aufwendig und ist oft mit Familienfesten oder grossen Zusammenkünften verbunden. Neben frittierten Varianten gibt es auch rohe Kibbeh, gebackene Formen oder Versionen mit Joghurt. Entscheidend ist die Balance zwischen knuspriger Hülle und saftiger Füllung.
Sfiha
Sfiha – manchmal auch Sfeeha oder Lahm bi Ajeen genannt – sind kleine offene Teigfladen mit würziger Fleischfüllung und gehören zu den klassischen Bäckereigerichten der Levante. Der dünne Hefeteig wird mit einer Mischung aus Hackfleisch, Zwiebeln, Tomaten und Gewürzen belegt und anschliessend sehr heiss gebacken. Typisch ist die Balance aus Fleisch, Säure und Gewürzen: Oft kommen Granatapfelsirup, Sumach oder Zitronensaft dazu, wodurch die Füllung deutlich frischer und leichter wirkt als viele europäische Fleischpasteten.

Besonders verbreitet ist Sfiha im Libanon, in Syrien und in palästinensischen Familienküchen, wo die kleinen Fladen häufig als Snack, Streetfood oder Teil einer Mezze-Auswahl serviert werden. Je nach Region sind sie rund oder viereckig, offen oder leicht gefaltet. Die Zubereitung zeigt gut, wie wichtig Brot, Ofengerichte und stark gewürzte Fleischfüllungen in der Küche der Levante sind.

Falafel
Falafel gehören zu den bekanntesten Gerichten des Nahen Ostens, unterscheiden sich regional aber deutlich. In der Levante werden sie meist aus eingeweichten Kichererbsen hergestellt, die mit Petersilie, Koriander, Zwiebeln und Gewürzen fein gemahlen und frittiert werden. Anders als viele westliche Versionen sind gute Falafel innen grün und kräuterlastig, nicht trocken oder kompakt. Serviert werden sie oft mit Tahini, eingelegtem Gemüse und Fladenbrot. In Städten wie Jerusalem oder Beirut gehören Falafelstände zum alltäglichen Strassenbild.
Arayes
Arayes sind eine der bekanntesten Streetfood-Spezialitäten der Levante. Fladenbrot wird mit gewürztem Hackfleisch gefüllt und anschliessend gegrillt oder gebraten, bis das Brot knusprig wird und das Fleisch im Inneren saftig bleibt. Gewürzt wird meist mit Petersilie, Zwiebeln, Kreuzkümmel und manchmal Zimt oder Chili. Durch das Grillieren zieht das Fett des Fleisches in das Brot ein, wodurch Arayes fast wie eine Mischung aus Sandwich und Grillgericht wirken. Besonders verbreitet sind sie in Palästina, Libanon und Jordanien.
Rakajek Jibn
Rakajek Jibn sind dünne Teigrollen mit Käsefüllung, die frittiert werden, bis sie goldbraun und knusprig sind. Verwendet werden meist salzige Käse wie Akkawi oder Halloumi, die beim Erhitzen weich werden, ohne vollständig zu schmelzen. Die Rollen erinnern optisch an Zigarren oder Frühlingsrollen und gehören in vielen Restaurants zur Standardauswahl warmer Mezze. Typisch ist die Kombination aus knusprigem Teig und intensiv salziger Füllung, oft ergänzt durch Kräuter oder Sesam.
Moussaka
Die levantinische Moussaka hat mit der bekannten griechischen Ofenvariante nur wenig gemeinsam. Statt Béchamelsauce und Hackfleisch handelt es sich meist um einen geschmorten Eintopf aus Auberginen, Tomaten, Kichererbsen und Olivenöl. Die Auberginen werden oft zuerst frittiert oder geröstet, bevor sie langsam mit Tomaten und Gewürzen gekocht werden. Das Gericht wird häufig kalt oder lauwarm serviert und gehört klassisch zu den vegetarischen Mezze. Die starke Verwendung von Auberginen und Olivenöl zeigt den Einfluss der mediterranen Küche auf die Levante.
Halloumi Sticks
Halloumi stammt ursprünglich aus Zypern, ist aber im gesamten östlichen Mittelmeerraum verbreitet. Der Käse wird traditionell aus Schafs- und Ziegenmilch hergestellt und besitzt durch seine feste Struktur einen hohen Schmelzpunkt, wodurch er sich gut grillieren oder frittieren lässt. Bei den Halloumi Sticks wird der Käse paniert oder direkt frittiert, bis aussen eine knusprige Kruste entsteht, während das Innere weich bleibt. Die Kombination mit Honig oder scharfen Saucen ist typisch, weil sie die starke Salzigkeit des Käses ausbalanciert.
Jawaneh
Jawaneh bezeichnet marinierte Pouletflügel, die in der levantinischen Küche meist grilliert oder frittiert serviert werden. Anders als bei klassischen Buffalo Wings steht hier weniger Schärfe im Vordergrund als vielmehr die Marinade aus Knoblauch, Zitronensaft, Gewürzen und Kräutern. Häufig werden die Flügel mit Koriander, Kreuzkümmel, Paprika oder Sumach gewürzt und nach dem Garen mit frischer Zitrone serviert.

In Restaurants der Levante gehören Jawaneh oft zu den beliebtesten warmen Mezze, weil sie sich gut teilen lassen und stark mit der regionalen Grillkultur verbunden sind. Viele Gerichte der Küche entstehen rund um Holzkohlegrills oder grosse Familienessen im Freien – entsprechend spielen marinierte Fleischgerichte eine wichtige Rolle. Die Kombination aus Rauch, Säure und Gewürzen unterscheidet Jawaneh deutlich von amerikanischen Chicken Wings.

Mana’eesh
Mana’eesh ist ein flaches Hefebrot, das in Bäckereien der Levante täglich frisch gebacken wird und besonders häufig zum Frühstück gegessen wird. Der Teig wird dünn ausgerollt und vor dem Backen mit verschiedenen Zutaten belegt. Die bekannteste Variante ist Za’atar: eine Mischung aus wildem Thymian, Sumach und geröstetem Sesam, vermischt mit Olivenöl. Je nach Region kommen auch Käse, Hackfleisch oder Gemüse dazu. Mana’eesh wird oft direkt aus dem Ofen gegessen und erfüllt in der Levante eine ähnliche Alltagsfunktion wie Pizza oder Focaccia im Mittelmeerraum.

Die Gerichte waren ausgezeichnet, der Abend hat richtig Spass gemacht und wir kommen sicher wieder, für Mezze, Wein, die herrlichen Fleischgerichte und die Atmosphäre. Das nächste Mal dann sicher am Tresen, um besser beobachten zu können, wie die frischen Brote zubereitet werden.

Restaurant Khouris
Seefeldstr. 120
8008 Zürich

Links:
Webseite
Instagram

FoodFreaks wurde am 19. April 2026 für ein Abendessen eingeladen.

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