Das KHOURIS hat noch keine drei Monate geöffnet und ist schon jetzt eine Institution. Während in Zürich gefühlt 90% aller Restaurants Sonntags geschlossen haben, warten im KHOURIS immer noch Leute auf einen freien Tisch, als wir um halb 10 das Restaurant verlassen. Seit der Eröffnung hat hier weder der überaus freundliche Service noch die trotz Andrang zügig arbeitende Küche eine freie Minute. Die ideale Lage zentral im Seefeld beschert dem neuen Restaurant sowohl viele Business-Gäste am Mittag als auch am Abend die Gäste aus dem Quartier. Äusserst sympathisch ist auch die vollkommen gemischte Zusammensetzung der Gäste, das kennt man eher aus dem Kreis 4. Selbst vom Alter her gibt es keine spezifische Gruppe, die alles dominiert.
Aber es ist nicht allein die Lage, die für das volle Restaurant verantwortlich ist. Das Khouris ist einfach etwas ganz besonderes. Die Geschichte hinter dem Restaurant ist alleine schon eine wunderbare Story. Eine ganze Familie zieht hier an einem Strang, um die alten Traditionen der Gastfreundschaft zu pflegen. Es wird zusammen gekocht, gefeiert, gearbeitet, und was dabei herauskommt, ist einfach unglaublich. Sami kreiert Ideen, auf die andere in ihren kühnsten Träumen nicht kommen. Private Dinner, Foodtrucks, palästinensicher Imbiss in der Langstrasse, riesiges Pop-up im ehemaligen Kosmos in der Europaallee, in dem die alte Bar des Hotel Savoy aufgestellt wurde (die er nach dessen Schliessung irgendwo aufbewahrt hatte), dazu Events, von denen man nur erfährt, wenn man auf der Liste ist und trotzdem kommen Hunderte Gäste.
Wer nicht gleich draussen an einem der zahlreichen Tische Platz nimmt, taucht mit dem Eintreten in das Restaurant in eine andere Welt ein. Wer rotes Licht nicht mag, ist definitiv fehl am Platz und so sind auch unsere Fotos eingetaucht in ein übermächtiges Rot. Gemütlich ist auch die ganze Atmosphäre, egal ob man an kleinen Tischen, auf Sofas oder am Tresen sitzt, an dem man ständig sieht, was los ist. Die Gäste sind erstmal vertieft in grosse Zeitungen, erst auf den zweiten Blick erkennt man die Speisekarte in Zeitungsformat. Der Inhalt macht Spass zu lesen und inzwischen dürften die meisten Menschen wissen, was ein Hummus ist. Bei den anderen Gerichten ist es nicht ganz selbstverständlich und so gibt es hier eine kleine Einführung in die Welt der kalten Mezze:
Hummus
Babaganoush
Muhammara
Labneh
Tabouleh
Khyar Bil Laban
Auf der gemischten Mezzeplatte für CHF 39.- pro Person findet ihr Hummus, Babaganoush, Labneh, Muhammara, Falafel, Fattoush und hausgemachtes flaches Brot. Sehr empfehlenswert sind übrigens die Saucen Toum und Harissa. Die Pasten wie Hummus sind in den kleinen Schalen schon so an die Seitenwand gestrichen, dass sie geradezu einladen, sie einfach dem Brot aufzunehmen. Natürlich könnt ihr die Mezze auf einzeln bestellen, preislich liegen sie zwischen CHF 12 und CHF 21.
Die Weinkarte hat ein paar Posten, die man hierzulande nur selten im Glas findet: Weine aus Palästina und dem Libanon – aus Gegenden also, in denen seit Jahrtausenden Wein angebaut wird, die international aber kaum mit Weinbau assoziiert werden. Die roten und der weisse Nadim stammen aus Taybeh bei Bethlehem, einem kleinen palästinensischen Ort mit überraschend lebendiger Wein- und Brautradition. Während der Nadim Merlot wie zu erwarten aus Merlot gekeltert wurde, ist der Nadim Grand Reserve mit Cabernet Sauvignon ebenfalls eine internationale Rebsorte. Der Weisse wird aus der autochthonen Rebsorte Zeini produziert, mit kräftiger Säure und Apfelaromen.
Auch das libanesische Château Kefraya aus dem Bekaa-Tal verweist auf die lange Weintradition der Levante. Die Rotwein-Cuvée verbindet Rebsorten wie Shiraz, Mourvèdre oder Grenache, die man eher aus dem Süden Frankreichs kennt, während der Blanc Chardonnay mit Vermentino kombiniert. Gerade diese Mischung aus vertrauten Rebsorten und ungewohnten Herkunftsorten macht die Karte besonders spannend. Wer keinen Wein mag, dem bleiben immer noch die spannenden Mischungen, aus denen die Cocktails gemischt sind, übrigens auch alkoholfrei.
Kibbeh
Sfiha
Besonders verbreitet ist Sfiha im Libanon, in Syrien und in palästinensischen Familienküchen, wo die kleinen Fladen häufig als Snack, Streetfood oder Teil einer Mezze-Auswahl serviert werden. Je nach Region sind sie rund oder viereckig, offen oder leicht gefaltet. Die Zubereitung zeigt gut, wie wichtig Brot, Ofengerichte und stark gewürzte Fleischfüllungen in der Küche der Levante sind.
Falafel
Arayes
Rakajek Jibn
Moussaka
Halloumi Sticks
Jawaneh
In Restaurants der Levante gehören Jawaneh oft zu den beliebtesten warmen Mezze, weil sie sich gut teilen lassen und stark mit der regionalen Grillkultur verbunden sind. Viele Gerichte der Küche entstehen rund um Holzkohlegrills oder grosse Familienessen im Freien – entsprechend spielen marinierte Fleischgerichte eine wichtige Rolle. Die Kombination aus Rauch, Säure und Gewürzen unterscheidet Jawaneh deutlich von amerikanischen Chicken Wings.
Mana’eesh
Die Gerichte waren ausgezeichnet, der Abend hat richtig Spass gemacht und wir kommen sicher wieder, für Mezze, Wein, die herrlichen Fleischgerichte und die Atmosphäre. Das nächste Mal dann sicher am Tresen, um besser beobachten zu können, wie die frischen Brote zubereitet werden.















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