[Event] WoodFood – Geschichte eines Feuers

Woodfood - Holz

Holz

Der Grill ist noch kalt. Die Holzscheite sind aufgeschichtet und warten, im Verlaufe des Abends vom Feuer verschlungen zu werden. Nicht einfach nur Holz. Arvenholz, Birke, Buche, jedes hat seinen eigenen Geruch, seinen eigenen Charakter.

6 pm, wir werden vor dem alten, vom Abriss bedrohten ehemaligen Reitstall von Fanny begrüsst. Der Reitstall hat eine Gnadenfrist, die drei etwas andere Zürcher Gastronomen genutzt haben, um drei Wochen lang Ungewöhnliches und Faszinierendes zu vollbringen. Gegen den Mainstream und die Perfektion.

Schon der Cocktail macht aufmerksam auf das, was kommt. Da hat sich etwas Geräuchertes darin verirrt. Nicht verirrt, es gehört dahin. Heute steht die Glut, der Rauch, das Feuer im Vordergrund.

WoodFood - Bar

Anwärmen

7 pm. WoodFood ist nicht nur Grillieren oder Räuchern der Zutaten. Es ist auch Herumstehen, Anschauen, Zögern, Platz nehmen, Kennenlernen, Gespräche knüpfen.

Das Herumstehen wird versüsst, oder besser verräuchert durch kleine Häppchen. Köstliches intensives Fleisch von alten Milchkühen, geräucherter Lachs eingerollt in einen Hauch Rauch, duftende Cremes auf kurz Grilliertem.

Im Raum ziehen sich zwei lange Tafeln vom Eingang bis zum Grill. Der Platz ist vorgegeben, die Nachbarn auch. Wir haben Glück.

WoodFood - Table

Anfeuern

7:30 pm. Die ersten Gerichte kommen. Alles, was nichts mit Holz zu tun hat, kommt nicht auf den Tisch. Ausser Wein. Wobei, war der nicht im Barique ausgebaut? Holzofenbrot mit grauer Aktivkohle-Butter, Sulz und kalt geräucherte Entenbrust, von Das Pure. Verkohlte Süsskartoffelcreme mit Kartoffeln, dazu ein heiss geräucherter Karpfen. Buschbohnen mit Parmesan und Granatapfel. Nicht grilliert? Doch! Die Buschbohnen lagen auf dem Feuer. Ein phantastischer Geschmack, solche Bohnen habe ich vorher noch nicht gegessen. Alles kommt vom eigenen Garten, dem Zürisee, von besten Lieferanten.

Woodfood - Wärme

Lodern

9 pm. Nicht nur im Raum steigt die Stimmung, auch im Grill ist nun die Hölle los. Die Hitze vereint sich mit dem aus den Arvenholzwürsten tropfenden Fett zu einer Dunstwolke, die einem im riesigen Raum fast den Atem nimmt. Aber egal, wir sind hier nicht in einer Küche der Konvektomaten und Mikrowellen.

Die Würste werden sanft auf zarten grünen Linsen gebettet, und sind so schnell weg, wie sie gekommen sind. Weiter überraschen Eierschwämmli, Sommertrüffel und Beeren, wobei die Trüffel eine Spur mehr Aroma benötigt hätten, um sich an diesem Abend durchzusetzen.

Grillierte (was denn sonst) Lammherzen gesellen sich zu Bergamotte und Birnel, den feurigen Abschluss mit grilliertem (was denn sonst) Fenchel und kalt geräuchertem Perlhuhn.

Klassische Menu-Reihenfolge gibt es hier nicht. Zum Glück. Die gibt es sonst überall.

WoodFood - Wurst

Glimmen

10 pm. Das Feuer hat nicht mehr viel zu tun. Noch ist das Menu aber nicht zu Ende. Es geht erstmal klassisch weiter. Käse von der Alp, Ziegenkäse, alles Rohmilch. Das gehört sich auch so in diesem Umfeld. Früchtebrot, nicht grilliert.

Im Süssen finden wir aber das Holz wieder. Brombeerencouli, Nüsse, Schokoladenmousse. In der Mousse verstecken sich noch einmal die Rauch-Aromen. Wie sie da hineinkommen, wissen wir nicht.

Vielleicht können wir Valefritz ein Rezept abluchsen. Ihr habt ja sicher einen grossen Grill oder Räucherofen zuhause, um das einfach nachkochen zu können. Laura und Valefritz überlegen gerade noch, ob die Geheimnisse der rauchigen Kunst nach aussen getragen werden dürfen.

WoodFood - Valefritz

Aufflackern

11 pm. Die Gäste machen keine Anstalten zu gehen. Aus den vielen Unbekannten wurden Bekannte, aus Fremden Freunde für einen Abend. Die Flaschen auf den Rohrleitungen sprechen Geschichten über vergangene gelungene Abende. Grappas und Kaffees machen die Runde. Der Service kann sich langsam zurücklegen nach einer sehr einfühlsamen und professionellen Leistung. Die Köche können verdient die Feuerzange  in die Ecke legen. Bis zum nächsten Abend. Nach drei Wochen hinter dem Feuer werden sie sicher erstmal begeistert auf einen Elektroherd zurückgreifen. Schalter umdrehen, Essen wird warm.

WoodFood - People

Asche

spät.  Popup Restaurants sind auch dafür da, uns Werden und Vergehen anzuzeigen. Die Illusion des Unendlichen wird uns genommen. Der Abend ist einmalig. In diesen Räumen wird nicht mehr gegessen und gelebt werden. Abriss. Neues und Steriles wird entstehen. Geniessen wir den Augenblick.

Und doch ist da der nicht zu unterdrückende Wunsch nach Wiederholung. Deshalb können alle, die WoodFood verpasst haben, oder nicht verpasst, sich auf der Webseite von WoodFood eintragen, um über ein neues WoodFood, oder was ganz anderes, zu erfahren. Auch wenn wir uns der Vergänglichkeit bewusst sind, wir wollen eine Wiederholung! Danke an Euch!

WoodFood - Asche

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