[Event] Foodbloggertreffen im 25hours

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden Food-Blogger nur belächelt. Stellen ein paar Rezepte auf eine Seite, die niemand liesst, fotographieren alles, was auf irgendeinem Teller rumliegt und kommentieren noch wahllos und vollkommen unprofessionell an den Gerichten der grossen Köche im Land herum.

Nun, das Bild hat sich gewandelt. Einserseits hat man wohl bemerkt, dass auch „Unprofessionelle“ durchaus einen grossen Erfahrungsschatz im Bereich Food aufbauen können, andererseits haben Foodblogger mittlerweile eine recht grosse Leserschaft und werden als eine neue Presseform wahrgenommen.

Und so werden immer mehr Events für Foodblogger durchgeführt und ich hatte mich sehr gefreut, als ich die Einladung von haeberlein & mauerer ag erhalten habe, die zusammen mit Zürich Tourismus und dem Hotel 25hours in Zürich einen Event durchführen wollten.

Beim Treffen waren die folgenden Blogs vertreten.

 

Das 25hours Hotel kenne ich noch nicht. Ich finde es in Zürich West, an der Pfingstweidstrasse, direkt neben dem Gebäude der Toni Molkerei, in das gerade erst die Zürcher Hochschule der Künste und Teile der ZHAW eingezogen sind. Konzept der Hotelkette ist es, jeweils bestimmte Themen im gesamten Hotel umzusetzen. Farben und Formen stehen im Vordergrund, die Einrichtung ist sehr speziell und mit Designermöbeln stilvoll eingerichtet.

Im Hotel angekommen treffe ich schon die ersten Blogger die bereits seit einem Tag da sind und Zürich und Umgebung kennen lernen möchten. Im 1. Stock ist der Kitchenclub für uns reserviert und Fabian und seine Crew warten schon auf uns. Für den heutigen Abend ist ein Kochen mit Fabian Spiquel vom Maison Manesse geplant.


cured cherry salmon. avocado. compressed apple and wasabi tobiko. green mango and sweet mango sorbet. puffed rice with nori and fermented ginger. raw brown champignons. shizo cress.

Nach einer kurzen Ansprache geht es los. Wir werden zum Schnippeln, Schälen, Schöpfen, Schlagen, Räuchern, Schneiden eingeteilt. Es braucht eine Weile, bis man sich in der ungewohnten Umgebung zurecht findet und auch, dass man nicht selbst der Chef am Herd ist, sondern das machen muss, was gerade gefragt wird. So fange ich an den grünen Apfel in 2 x 2 x 2 mm grosse Stückchen zu schneiden, ohne Schale, ohne schräge Flächen! Die Avocado wird geschält und mit dem Limettensaft verrührt, anschliessend im Pacojet cremig gemixt.

Die rohen braunen Champignos in hauchdünne Scheiben geschnitten, mit Stiel, die werden dann als Deko schön aufrecht angelehnt. Der geräucherte Masu-Lachs vom Bachtellachs wurde als Ganzes auf dem Teller angerichtet. Die grünen und süssen Mango werden geschält, püriert und in ein cremiges Sorbet verwandelt. Serviert mit Puffreis mit Nori und fermentiertem Ingwer.

 


 63° freerange egg. eddos. green asparagus. raw white asparagus. black garlic aioli. peanut salt. belper knolle.

Der nächste Gang hatte für mich einige Überraschungen parat. So wusste ich nicht, das kurz angebratene weisse Spargel so ausgezeichnet schmecken. Zusammen mit grünem Spargel und Eddos ein wahres Gedicht. Alle Zutaten wurden in ca. 1-2 cm lange Stücke geschnitten, die Eddos in gleichmässige Würfel. Die Eddos wurden zuerst für etliche Minuten in der Pfanne gebräunt, dann die grünen Spargelanschnitte, dann die grünen Spargelköpfe und für wenige Minuten zum Schluss den weissen Spargel kurz anbraten. Die Pfanne ständig schwenken.

Die Eier werden über 1 Stunde bei 63 Grad mit Schale im Wasserbad erhitzt. Anschliessend aufgeschlagen und ins Wasser gelegt. Sehr vorsichtig, da sie schnell kaputt gehen. Angerichtet wird das warme Gemüse in einem tiefen Schälchen, in die Mitte das Ei, etwas mit Salz zerstampfte Erdnüsse darüber, schwarzes Knobi-Öl-Aioli, mit Belpler Knolle überstreut. Optisch nicht gerade eine Wucht, aber geschmacklich sagenhaft.

Schwarzes Knobi-Öl? Dafür einfach die ganzen Knoblauch-Knollen für 4 Monate bei 55 Grad in den Ofen, dann werden sie schwarz, dann irgendwie auspressen. Aber so ganz haben wir das Geheimnis dahinter nicht erfahren..

 


 9 week dry aged swiss entrecôte. fake corn gnocchi’s. grilled tempura zucchini flowers. bone marrow and perigord truffle veal jus. fried sage. sage flowers.

Das herrliche Stück Rind wurde erst lange im Wasserbad vakuumiert erhitzt. Die Unmengen Butter auf den Fotos wurde tatsächlich nur für das „Anbraten“ und Übergiessen verwendet, eigentlich wurde es fast in Butter gekocht.

Die Zuchini hatten besonders lange: gesäubert, bemehlt, die Blüte in Teig getunkt und dann vorsichtig frittiert. Dann im Green Egg geräuchert und im Ofen warmgehalten. Aber die Arbeit war es fast nicht wert, oder vielleicht waren sie einfach zu lange im Ofen.

Dann noch diese leckeren Gnocci, die keine waren, sondern eine molekulare Komposition aus Maismehl. Anschliessend im Bad mit einer Schere in Form geschnitten. Dazu dann schlussendlich eine köstliche Sauce aus ewig reduziertem Fond, Rückenmark und Perigord Trüffeln. Eine traumhafte Komposition!


rhubarb curd. poached & raw rhubarb. grapefruit infused cold rhubarb soup. popcorn ice-cream. raspberry & carob waffles. cacao nibs. tarragon oil. fresh tarragon.

Ich bin nicht unbedingt der grösste Dessert-Fan. Aber dieses Desert war wirklich umwerfend. Die Kombinationen der Geschmäcker und Konsistenzen waren eindrücklich. Auch hier wurde wieder kräftig kleingeschnippelt, dieses Mal der Rhabarbar. Grapefruit brachte die Bitterstoffe, Popcorn die Süsse, Estragon das Spezielle.


almond and manuka honey cake. nocellara orange puree. borretsch flowers
64% madagascan felchlin chocolate. dried inca berries. popping candy. salt flakes.

Die kleinen Kuchen waren ein schöner Abschluss, serviert in Gefässen, die Fabian nach seinen Vorstellungen anfertigen liess.

 

Fazit

 

Ausgesprochen runder Event! Ausgezeichnete und stimmige Umgebung, der Kitchen Club eignet sich hervorragend für solche Events. Nur scharfe Messer sollte man selbst mitbringen. Schade nur, dass ich von Zürich gekommen bin und so nicht im Hotel übernachten konnte, so muss ich das mal in einer anderen Stadt nachholen.

Fabian und sein Team haben mit grosser Begeisterung durch den Abend geführt, man hat viel gelernt und konnte etwas hinter die Kulissen schauen und gleichzeitig sogar mitmachen.

Der Austausch mit den anderen Foodbloggern war sehr spannend, hat doch jeder seine ganz eigene Philosophie, was er mit seinem Blog erreichen möchte. Die Gespräche haben auch lange nach dem Kochen noch nicht aufgehört, bis wir dann endlich spätnachts die Bar verlassen haben.

 

 

Juni 2014

4 Kommentare

  1. Heidi Weiss Cuxhaven 12. Oktober 2014 Antworten

    Was für ein informativer Bericht. Und das 25hours Hotel Zürich scheint ein tolles hotel zu sein.

  2. Dieter 12. Oktober 2014 Antworten

    Dieser Bericht liest sich wie ein Rezeptbuch. Einfach zum Nachkochen!

  3. Fabian Spiquel 18. Oktober 2014 Antworten

    Hi Christian,

    Thanks for the post! It was nice to have you at Maison Manesse for dinner!

    Take care
    Fabian

    • Autor
      Christian 20. Oktober 2014 Antworten

      Hi Fabian,
      it was just great at your place!
      Thanks
      Christian

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