[Unterwegs] Schottland und der Single Malt Whisky Glenmorangie

SCHOTTLAND.
Das Land Seen, die Löcher genannt werden.
Mit einigen schottischen Schafen, genauer 10 mal so viele wie Schotten.
Mit geschichtsträchtigen einschüchternden Bauten.
Schlösser soll es dort auch geben.
Wo Fische sind, sind auch Fischer.
Unendliche Fjorde lassen jeden Autofahrer verzweifeln.
Aber die 3 Milliarden alten Gneise scheren sich darum nicht.
Ein Land, ...
... in dem Jeder zum Highlander wird.
Oder versuchen möchte, zu fliegen.
Ein Land, das Lächeln zaubert.
Seit Jahrtausenden wird hier gelebt ...
... und gestorben.
Ein Land voller Ruhe.
Und voller Whisky. Womit wir beim Thema sind.

Glenmorangie

Manchmal fügen sich die Dinge auf wundersame Weise zusammen. Im Sommer hat es uns das erste Mal nach Schottland gezogen. Vier Wochen unterwegs, anhalten und an jeder Stelle übernachten, wo man möchte. Freiheit pur, bei der man sogar das mitunter ständig schlechte Wetter vergisst.

Wenige Wochen später bekomme ich von einem lieben Kollegen einen wunderschönen Whisky geschenkt, den ich aufgrund mangelnder Kompetenz im Whisky-Trinken erstmal in Ruhe lasse. Wiederum einige Wochen später flattert eine Einladung ins Haus: Verköstigung Glenmorangie Whisky, Secret Location, dazu ein Menu mit Whisky-Begleitung, erklärt von der Single-Malt-Lady Karen Fullerton (hier ein schöner Artikel über sie). Phantastisch! Aber da ist das eine Problem: ich habe von Whisky keine Ahnung. Um auf diesen Event richtig vorbereitet zu sein, nehme ich mir also meine Whisky-Flasche und mache das, was man heutzutage macht, wenn man von etwas keine Ahnung hat: Youtube schauen. Es dauert keine Minute, da lande ich auf dem Kanal von Horst Lüning (Youtube Whisky.de) und ich hätte wohl nichts besseres finden können.

Behutsam öffne ich die schöne Box meines Whiskys und stelle begeistert fest: es ist ein Glenmorangie! Ein Nectar d’Or, etwas ganz Feines! Und so tauche ich ein in die Aromen von Orangen- und Limettenschalen, Datteln, Ingwer, Mandeln, weisser Schokolade und Vanille.

 

Relais Châteaux Hotel Krone Regensberg
Von der Terrasse in die gemütliche Stube.

Secret location

Die Whisky-Begeisterten treffen sich in der Onyx-Bar des Hyatt und warten bei Champagner gespannt auf die Abfahrt. Quer durch Zürich geht es Richtung Nordwesten und ich überlege, was es denn hinter Regensdorf Schönes geben könnte, um so einen Event zu zelebrieren. In Kurven geht es schliesslich den Berg hinauf nach Regensburg, einem der schönsten Aussichtsplätze in dieser Ecke und wir halten vor dem Relais Châteaux Hotel Krone Regensberg. Wir sind überwältigt von dem alten Gebäude, das innen traumhaft gestaltet ist und den Gast mit einer Wärme empfängt.

Glenmorangie hat schon alles perfekt vorbereitet und wir werden auf der Terrasse zu einem Cocktail empfangen. Von Natascha Gallus (Head Bartender Park Hyatt) werden uns dabei die wichtigsten Kniffe für das Cocktail-Mixen beigebracht. Tipps, bei denen ich besser zugehört hätte statt wild in der Gegend herumzufotografieren. Denn prompt bekommt jeder von uns eine Arbeitsstation mit von Aromen, Früchten und Alkohol überbordenden Zutaten. Es erinnert mich an „Asterix, der Gallier“, wie wir versuchen, alles zusammen zu mixen, um den einzig wahren Zaubertrank zu mischen. Es gelingt uns nicht ganz, aber der ein oder andere Cocktail schmeckt trotzdem.

 

Natascha Gallus (Head Bartender Park Hyatt) und Virginie Poirel (Glenmorangie)
Was für ein schöner Arbeitsplatz.
Süsse Aromen im Glas gilt es zu mischen.
Die Verköstigung fängt schonmal an.
Äusserst geschmackvoll.

 

Mälzen

Die Malt-Whisky-Herstellung startet mit dem Mälzen der Gerste, die übrigens auch importiert wird, die schottische Gerste reicht längst nicht mehr aus (Malt-Whiskys dürfen nur Gerste und kein anderes Getreide enthalten). Ausser Wasser und Gerste ist im Whisky übrigens nichts drin. Die Gerste wird in den Kiln zuerst mit viel Wasser versetzt und zum Keimen gebracht. In den wenigen Tagen bis zu Keimung muss die Gerste dabei immer wieder gewendet werden, dies geschieht auf den Mälzböden.

Das Keimen wird dann unterbrochen, dafür muss die feuchte Gerste aber getrocknet werden, früher nur über Torffeuern, heute über normalem Feuer, aber durchaus angereichert mit Torf. Dadurch entsteht auch der mehr oder weniger starke Rauchgeschmack in den schottischen Whiskys.

Maischen

Maischen kennt man vom Wein: die Trauben gären und es entwickelt sich der Alkohol. Bei der Gerste kommt es hingegen auf den durch das Mälzen entwickelten Zucker an. Dieser hat sich in den Keimen entwickelt und wird beim Maischen herausgelöst. Dafür wird die Gerste erstmal gemahlen und schliesslich in drei Phasen mit immer heisserem Wasser herausgelöst.

Auf diese Weise erhält man die Flüssigkeit, der zusätzlich Hefe zugegeben wird, um schliesslich Alkohol zu erhalten.

Gären

In grossen Bottichen muss die Flüssigkeit nun gären, wie beim Bierbrauen. Dieser Vorgang dauert einige Tage, in denen die Hefe mit Hilfe des Zuckers den Alkohol entwickelt. Das braucht einige Tage und muss gut kontrolliert werden. Die Flüssigkeit wird dabei immer wieder gerührt, meist liegen Deckel auf den grossen Holz- oder Edelstahlbehältern.

Destillieren

Mit dem Destillieren wird viel über den Geschmack des Whiskys entschieden. Der Brennvorgang wird in mehreren Phasen durchgeführt, wobei das Destillat erhitzt wird und die Alkohole zuerst verdampfen und später beim Abkühlen abgetrennt werden. Dabei wird nur der mittlere Bereich des Spirit (so nennt man das aus den einzelnen Durchläufen gemischte Ergebnis) verwendet. Spirit ist übrigens glasklar und hat einen Alkoholgehalt von knapp 70%.

Die Höhe der Brennblasen ist entscheidend für den späteren Geschmack. In niedrigen Brennblasen werden die Alkohole nicht so differenziert getrennt, dafür kommen mehr Geschmacksstoffe in den Spirit. Hohe Brennblasen hingegen sorgen für sehr ausgeglichene und weiche Spirits. Glenmorangie hat mit über 6 m die höchsten Brennblasen von Schottland, entsprechend weich und harmonisch ist der Whisky zu trinken.

Abfüllen

Bei der Whisky-Herstellung ist nichts trivial! Sogar die Fassabfüllung ist nicht so einfach. Der Kellermeister muss sich genau auskennen, um zu wissen, wann und wie er den Whisky in die Fässer abfüllt. Denn der gesamte Abfüllvorgang ist gesetzlich verplombt, so kann der Kellermeister das Resultat erstmal gar nicht testen. Da der Spirit nach dem Destillieren einen so hohen Alkoholanteil hat, muss er mit Wasser gemischt werden, um den Prozentsatz zu senken.

Reifen

Und jetzt heisst es warten. Lange warten. Mindestens drei Jahre muss ein Scotch im Fass liegen. Aber in welchem Fass? Das ist vollkommen verschieden, jeder Whisky-Hersteller hat seine eigene Philosophie. Bei Glenmorangie werden die ersten 10 Jahre in Bourbon Fässern gelagert. Danach geht der „The Original“ in den Verkauf. Für die anderen Sorten geht es aber weiter. Port-, Sherry- oder Sauternes-Fässern übernehmen die letzte Reifung und sorgen somit für nochmals ganz unterschiedliche Ausprägungen der Glenmorangies. Während der Reifung verliert der Whisky ungefähr 1-2% Alkohol pro Jahr, das sogenannte Angel’s Share. Nach der Reifung bleibt ein Whisky mit ca. 60% Alkohol. Vor dem Abfüllen in Flaschen (meist nicht mehr in der Destillerie sondern bei Flaschenabfüllern) wird der Whisky mit Wasser gemischt. Aber, eine Ausnahme: Cask Strength. Da wird der Whisky in Fassstärke abgefüllt und dann vom Whiskytrinker selbst mit Wasser verdünnt. Und dann gibt es noch Single Cask, eine Abfüllung nur aus einem Fass! Das ist für die ganz grossen Experten im Whiskytrinken!


 

Glenmorangie - The Original

Das Besondere an allen Glenmorangie Whiskys ist der eher weiche Geschmack (Höhe der Brennblasen, aber das wisst ihr ja schon). Zudem ist dieser Single Malt Whisky kaum rauchig, vielleicht ein Grund, warum er einer der beliebtesten Whiskys in Schottland ist. Die Destillerie gibt es schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts, lange wurden die Glenmorangie Whiskys aber für den Verschnitt verwendet. Erst viel später wagte man sich an das Experiment, reine Single Malt Whiskys herzustellen, mit grossem Erfolg. Glenmorangie kommt aus den Highlands mit Quellwasser aus den Tarlogie Hills.

„The Original“ ist der Einfachste in der Linie von Glenmorangie. Und diesen dürfen wir für das Mixen der Cocktails testen.

 

Glenmorangie 10 Jahre Original

Bourbon

Bourbon ist ein amerikanischer Whisky, der in neuen angekohlten Fässern aus amerikanischer Weiss-Eiche lagert. Die Weiss-Eiche ist sehr dicht, entsprechend nimmt sie wenig Flüssigkeit auf und eignet sich als Fassholz sehr gut.

Bourbon wird aus mehr als der Hälfte Mais hergestellt, daneben wird Roggen oder Gerste verwendet.

Die Fässer werden nach dem Gebrauch nach Schottland verschifft und dort für den Scotch verwendet.


 

Ähm, der Deckel ist noch auf der Flasche!
Bloss nicht loslassen.
Die Expertin und der Anti-Experte.
Katharina Eleonor Haller von Vin en Vogue.
Virginie Poirel (Glenmorangie) und Katharina beim Cocktail testen.
Alle hatten viel Spass beim Cocktail testen.

 

Foie gras - Pflaume - Ingwer

Starter

Wir starten mit einer Foie Gras, die mit Pflaume und Ingwer kombiniert wurde. Auch zum Menu wird kein Wein serviert, wir bleiben beim Whisky und werden im Verlauf des Abends die köstlichsten Whiskys testen dürfen.

Die Kombination des Gerichts war hervorragend und es hat mich überrascht, wie perfekt das Gericht mit dem Whisky geht. Damit wir auch wissen, was wir trinken, hat uns Karen genau erklärt, auf was wir bei dem Whisky achten müssen und welche Aromen zur Geltung kommen.

Sauternes

Sauternes ist eine kleine Weingegend, ganz im Süden Frankreichs, etwas südlich von Bordeaux. Das Besondere an dieser Region ist die aufgrund des Nebels häufig auftretende Edelfäule auf den Reben, insbesondere auf der Sémillon-Traube. Damit man aber nicht nur Süsse im Wein hat, wird dieser mit ca. einem Drittel Sauvignon-Blanc-Trauben versetzt. Die Bestimmungen sind restriktiv und streng. Die Weine werden häufig in Eichenfässern gelagert, die anschliessend nicht mehr gebraucht werden. Ideal also, sie nach Schottland zu verschiffen und Whisky einzulagern.

Glenmorangie Nectar d'Or

Den kenne ich schon: Glenmorangie Nectar d’Or. Aromen von Limonen- und Orangenschalen, Datteln, im Geschmack kommen Ingwer, Muskat und Mandeln zur Geltung, im Abgang kommen weisse Schokolade und Vanille hinzu.

Dadurch passt der Nectar d’Or ausgezeichnet zu dem Gericht, das diese Aromen aufnimmt.

Das Besondere am Nectar d’Or: nach den 10 Jahren im amerikanischen Eichenfass lagert er noch zwei weitere Jahre in Sauternes-Fässern.

Glenmorangie Nectar d'Or


 

Karen Fullerton
Die Whisky-Expertin.
Beeindruckende Jahrtausende alte Steinkreise.

 

Risotto – Eigelb – Trüffel – Spinat

Intermediate Course

Der nächste Gang sehr schön angerichtet, eine gelungene Kombination von Risotto – Eigelb – Trüffel – Spinat. Der Risotto kann jedoch nicht ganz überzeugen, hier fehlt einfach etwas die Cremigkeit. Ob nicht ständig gerührt wurde? Oder der Klotz Butter am Ende fehlte?

Wie auch immer, trotzdem interessant die Kombination aus dem Gericht und dem neuen Whisky.

Glenmorangie Quinta Ruban

Glenmorangie Quinta Ruban ist besonders dunkel und intensiv. Er hat florale Noten, etwas süsse Bitterkeit, nach dunkler Schokolade, Orangenaromen und Zimt. Der Geschmack der dunklen Schokolade kommt von den Fässern, denn in diesem Fall wird der Whisky nach 10 Jahren im Bourbon-Fass noch für 3 Jahre in Port-Fässer umgefüllt.

Glenmorangie Ruban


 

Meat

Mit dem nächsten Gang wechseln wir wieder auf Fleisch, ein wunderbar zarter Hirsch mit Rotkraut und Preiselbeere. Ausgezeichnet auf den Punkt gegart, dazu kräftige Aromen in Sauce und Gel.

Auch hier geht die Kombination mit dem Whisky gut, aber nicht so perfekt wie bei der Foie gras. Möglicherweise würde ein Whisky auch noch gut zu Krustentieren gehen, das muss auf jeden Fall mal ausprobiert werden.

Hirsch – Rotkraut – Bürli – Preiselbeere
Glenmorangie Lasanta

Sherry

Ganz im Süden von Spanien, schon fast an der Grenze zu Afrika, werden in einer kleinen Region aus der Palomino-Traube die Sherrys gekeltert. Die trockenen Weissweine werden mit Branntwein versetzt, um so einen höheren Alkoholgrad zu erreichen.

Es gibt insgesamt acht verschiedene Sherry-Arten. Für den Lasanta werden Sherryfässer der Sorten Oloroso und PX verwendet.

Glenmorangie Lasanta

Wie bei den anderen Glenmorangie Whiskys wird der Lasanta auch zuerst 10 Jahre in Bourbon Fässern gelagert, ehe er noch 2 Jahre in Sherryfässer eingelagert wird. Von den Sherryfässern werden die warmen Aromen nach Rosinen, Honig und Karamel übernommen, auch Orangen kommen im Abgang zur Geltung.

Es heisst, über 400 Aromen sind in den schottischen Whiskys zu finden, das ist in der Tat komplex!

Glenmorangie Lasanta


 

Ansehen.
Riechen.
Schmecken.
Erfahren.
Calanais Standing Stones, Isle of Lewis
Calanais Standing Stones, Isle of Lewis

 

Schokolade – Birne – Balsamico – Tabak

Dessert

Zuerst wurden diverse Käse von Jumi serviert, anschliessend ein wunderbares Dessert aus Schokolade – Birne – Balsamico – Tabak. Damit sollten auch die Aromen des nächsten Whiskys unterstützt werden.

Glenmorangie Signet

Allein die Flasche des Glenmorangie Signet ist schon etwas ganz besonderes. Für den heutigen Abend ist der Signet sicher die Krönung. Aromen von Espresso und Mokka kommen zur Geltung, aber im Abgang auch Minze und Zitrone. Ein wirklich ausgezeichneter Abschluss des Abends.

Glenmorangie Signet


 

Morgens um 5 Uhr: Sonnenaufgang ...
... beim Quiraing auf der Isle of Skye.
Nach dem Regen in den Highlands.

 

Reisetipps Schottland

Wer sich für Schottland interessiert, findet auf dieser Karte eine Menge Tipps.

 


 

Informationen

Distillery:

Glenmorangie
Tain
Schottland

Hotel:

Relais Châteaux Hotel Krone Regensberg
Oberburg 1
8158 Regensberg

Tel.: +41 44 855 20 20

Glenmorangie Event am 18.10.2018

FoodFreaks wurde von Glenmorangie zu dem Event und dem Abendessen eingeladen.

FoodFreaks nimmt diese Einladungen gerne entgegen, da ansonsten diese Berichte wesentlich seltener möglich wären. Dennoch schreiben wir unsere Meinung und lassen uns von der Einladung nicht beeinflussen!

Lage der Destillerie

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