[Unterwegs] Ein Gourmet-Dinner im Textilland

Schaut man heutzutage auf die Etiketten seiner Kleider, steht dort Made in China, Made in Bangladesch oder Made in Vietnam. Made in Switzerland dürfte man nur noch auf den Wenigsten Kleidern finden. Dabei war die Schweiz früher eines der grossen Produktionsländer, insbesondere für besonders edle Stoffe und Stickereien. St. Gallen ist eine der Städte, in dem diese Kunst besonders florierte, und sogar immer noch existiert. Doch inzwischen werden kleine, sehr spezielle Nischen besetzt, wie z.B. besondere Stoffe mit technischen Eigenschaften.

Das Textile soll aber nicht verloren gehen. Aus diesem Grund wurde der Verein Textilland gegründet, dessen Mitglieder einerseits aus der Industrie selbst kommen, andererseits aber aus der Tourismusbranche, um auf die Geschichte aufmerksam machen zu können. So haben sich einige Hotels des Themas angenommen und ein oder mehrere Zimmer mit besonderen Stoffen eingerichtet. Beispielsweise hat das Sorell Hotel Weissenstein ein Atelierzimmer eingerichtet, aber auch das Hotel Heiden oder andere.

Aber neben dem Angebot in den Hotels kann man auch sonst Einiges in St. Gallen in Bezug auf Textiles erleben. Ein Besuch im Textilmuseum sollte dabei nicht fehlen, oder Workshops in Ateliers sowie der Textilweg, bei dem man mit GPS und QR-Codes durch die Stadt geführt wird und dabei viel lernt.

Aber für FoodFreaks steht das Essen im Vordergrund, deshalb ist das Angebot vom Restaurant Schlössli von besonderer Bedeutung. Im Schlössli wird das Textilland-Genuss-Menu serviert, um einen Bogen zu schlagen zwischen Textil und Food. Im Preis von CHF 125 sind neben den Getränken auch die Anekdoten vom Gastgeber Ambros Wirth mit eingeschlossen. Da er aber nicht jedem einzelnen spontan die Geschichten erzählen kann, braucht es mindestens 4 Personen und eine Reservierung 72 h im Voraus. Aber das sollte bei der Planung eines schönen und besonderen Abends ja kein Problem darstellen.

Tages-Terrine mit Gemüse und Crème fraiche, Salat von der blauen St. Galler Kartoffel

Der erste Gang verbindet Frankreich mit St. Gallen, da der französische Einfluss in St. Gallen immer wieder von grosser Wichtigkeit war. Bei Besuchen in Lyon konnten die St. Galler feststellen, dass dort Stickereien nicht nur auf Baumwolle gemacht wurden, sondern auch auf Seide. Damit konnte noch feiner gestickt werden. Noch 1910 war der Textilhandel die grösste Exportindustrie, aber spätestens mit der Weltwirtschaftskrise hat sich das radikal geändert.

Serviert wird uns deshalb eine französische Terrine mit Gemüse und Crème fraiche, dazu ein Salat von der blauen St. Galler Kartoffel, um die Achse Frankreich – St. Gallen darzustellen. Die Idee war genauso gelungen wie die Umsetzung selbst.

Begleitet wird das Gericht durch einen Kerner von Roman Rutishauser vom Weingut am Steinig Tisch in Thal (14 %!). Der Winzer war ursprünglich Koch, hat dann gewechselt. Er macht mit seinen Weinen kräftig Furore. Die Traubensorte Kerner ist eine Neuzüchtung aus Deutschland, die klimatisch sehr gut in die Region St. Gallen passt.


 

Mianchi Miso-Suppe mit Tofu, Gemüse und Pilzen

Die Sticker von St. Gallen sind bereits recht früh nach China und Japan gereist und haben dort eine hohe Stickkultur vorgefunden. Sie haben die Muster mit zurück genommen und analysiert, in einzelne Ornamente zerlegt und neu kombiniert.

Aus diesem Grund auch die Miso-Suppe, die an diese Inspirationen erinnern soll. Auch wenn man sich wundert, in St. Gallen in dem traditionsreichen Schlössli eine Miso-Suppe serviert zu bekommen, sie war ausgesprochen köstlich!

 


 

Milchkalb-Steak

Für das Hauptgericht wird ein wunderbarer Pinot noir mit starker Reife serviert. In Einzellage angebaut, auf steiler, sehr kleiner Lage. Ausgezeichnet! Und perfekt zum Gericht.

Als Hauptgang wird ein gebratenes Milchkalb-Steak an einer Frischrahmsauce mit Wildfrüchten serviert, dazu Rheintaler Ribelmaisschnitte und Gemüsegarnitur. Das Fleisch wunderbar zart und die Ribelmaisschnitte passt natürlich perfekt dazu. Früher eher ein Gericht, das in keinem Gourmet-Restaurant zu finden war. Doch inzwischen hat sich der Ribelmais durchaus etabliert!

 


 

Dessert-Trio

Zum Dessert wird uns ein Toggenburger Bere-Schlorzi-Chüechli mit Käserei-Joghurtglacé und halbgetrockneten, eingelegten Gute-Luise-Birnen serviert.

Für den Bere-Schlorzi werden die getrockneten Birnen (Gute Luise, ist eine alte Hochstammsorte), dazu ein paar getrocknete Feigen, Dörrzwetschgen, das Ganze vermahlen, etwas Zucker, viel Tresterschnaps, daraus wird dann das kleine Chüechli gemacht. Danach kommt Rahmmasse darauf.

Für den Süsswein geht es nach Österreich, eine schön balancierte Beerenauslese von den Gebrüdern Nittnaus.

Fazit

Ein wirklich schöner Abend, den man nur empfehlen kann. Neben dem ausgezeichneten Essen sind die Anekdoten spannend und unterhaltsam und man bekommt richtig Lust, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

Informationen

Restaurant Zum Schlössli
Zeughausgasse 17
9000 St. Gallen
tel. 071 222 12 56

Webseite
Instagram

Öffnungszeiten:

Mo-Fr:
11:00 bis 14:00 Uhr
18:00 bis 23:00 Uhr

Informationen

Verein Textilland Ostschweiz
c/o St.Gallen-Bodensee Tourismus
Bankgasse 9
9001 St.Gallen

+41 71 227 37 24
info@textilland.ch

Webseite


 

Ambros Wirth führte kurzweilig durch den Abend.
Jeanne Müller, Thomas Meyer und Alisa Haag, die sich um Textilland kümmern.

 

Kirche St. Laurenzen aus dem 15. Jhd.
Die Zeughausgasse.
Die Kathedrale.
Das Restaurant Zum Schlössli bei Nacht.
Der Klosterhof.
Kathedrale St. Gallen - UNESCO Weltkulturerbe.

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