[Unterwegs] Die ewige Suche nach der Morchel

Warum sammelt der Mensch so gerne? Warum macht man sich auf, selbst bei widrigem Wetter, durch Wälder zu streifen, um zu suchen und zu sammeln. Ist es der Wunsch, etwas ganz Besonderes zu finden? Oder steckt es einfach in unseren Genen, haben wir doch über Jahrtausende nichts anderes gemacht als zu suchen und davon zu leben?

Jedenfalls scheint dieser Drang bei mir besonders ausgeprägt zu sein. Im Frühjahr lockt der Bärlauch und die jungen Buchenkeimlinge, im Sommer der Sommersteinpilz. Das geht dann reibungslos über in lila Lacktrichterlinge, Blutige Reizger, Semmelstoppelpilze, Pfifferlinge, Maronen, Herbsttrompeten und Totentrompeten.

Damit ich im Winter nicht aus der Übung komme, zieht mich der Suchdrang bei den Winterstürmen nach Calais zum Fossilien suchen. Und schon ist wieder der Frühling da.

Doch es fehlt noch etwas im Kreislauf: die Morchel. So dankbar, ist sie doch der einzige Lichtblick für die Pilzsucher im Frühjahr. Zwischen März und Mai spriesst sie gerne aus sandigen Böden, häufig in Eschenwäldern in der Ebene, in denen man im Herbst erfolglos nach einem Steini suchen würde.

Die Wälder der Rheinauen sind so gar nicht zu vergleichen mit den dunklen Nadelwäldern des Schwarzwaldes oder den urigen Wäldern, die sich in den Alpen in die Höhe ziehen. In diesen lichten Eschenwäldern blühen riesige Flächen voller Bärlauch, dazwischen Veilchen und Maiglöckchen, immer wieder durchsetzt von Kanälen, Bächen und stillen Gewässern, auf denen Schwäne für das Schönheitstüpfelchen sorgen. Der Kuckuck sorgt für den angenehmen Geräuschhintergrund, der nur unterbrochen wird vom Fluchen des Morchelsuchers,
wenn er sich im Unterholz wieder ein paar Brombeerstachel aus der Hand ziehen muss. Aber dennoch, selbst nach stundenlanger Sucherei möchte man nicht aufhören, träumt man doch vom vollen Korb Morcheln. Warum? Wegen der bizarren knorpeligen Form dieser seltenen Pilze, die man immer noch nicht kultivieren kann? Oder wegen dem Duft, muss man doch jede einzelne Morchel nach dem Abschneiden erst in sich aufsaugen? Oder ist man schon in Gedanken bei einem Spargelgericht, das mit Morcheln köstlich ergänzt wird?

Zwei Umstände erleichtern die Suche ungemein! Entweder man findet gleich zu Beginn der Suche wenigstens ein Exemplar oder man kennt jemanden, der gerade schon Morcheln gefunden hat. So kann man sicher sein, dass zumindest die Zeit stimmt und es nicht zu trocken ist. Das heisst aber noch lange nicht, dass man Erfolg hat. Diese Morcheln wissen sich ganz hervorragend zu verstecken. Was eigentlich verwundert, sind sie doch sehr auffällige Pilze und hat man sich etwas an das Aussehen und die Farbe gewöhnt, wird die Suche einfacher.

Morcheln stehen fast nie alleine. Findet man eine, gruppieren sich in der Nähe meist weitere Exemplare, zuweilen bis 20 weitere Pilze. Hütet euch aber davor, im Rausch auch die etwas angeschlagenen Exemplare in den Korb wandern zu lassen, denn die sind giftig. Im Gegensatz zu dem „normalen“ Gift der rohen Morchel (Hydrazin), das nach ein paar minütigem Kochen verfliegt, ist das Gift der vergammelten Morcheln hitzeresistent und führt zu allerlei unschönen Wirkungen.

Die Morchel

  • Wächst im Frühjahr zwischen März und Mai
  • In höheren Lagen bis Juni
  • Häufig in Auenwäldern unter Eschen
  • Sandige Böden
  • Wachsen gerne in Gruppen
  • Kaum zu verwechseln, am ehesten mit der Lorchel (giftig)
  • Arten: Speisemorchel, Spitzmorchel, Käppchenmorchel, Hohe Morchel
  • In Deutschland: stehen unter Naturschutz und dürfen (wie auch Steinpilze, Pfifferlinge, …) nur in geringen Mengen (was auch immer das heisst) für den privaten Gebrauch gesammelt werden.
  • Roh giftig aufgrund des Gifts Hydrazin
  • ca. 5-minütiges Erhitzen wandelt Hydrazin um
  • Dennoch sind bei hohem Konsum bei manchen Menschen nach 12 Stunden Unverträglichkeitserscheinungen möglich (Sehstörung, Schwindel, …)
  • Vergammelte Pilze sind auch nach Erhitzen GIFTIG!
  • Putzen: am besten mit Pinsel, ausklopfen, halbieren (da häufig Tiere im Inneren)
  • Falls sie gewaschen werden müssen, vor dem Zubereiten gut auf Küchenpapier trocknen lassen
  • Eignen sich gut zum Trocken (bei 40 Grad ca. 8 Stunden), am besten halbiert
  • Einfrieren geht auch gut, oder gleich frisch in die Pfanne mit viel Butter und etwas Thymian

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