[Restaurant] Ristorantino del Monsù in Castellammare del Golfo, Sizilien

Wir hatten es schon fast aufgegeben, in diesem Urlaub noch ein typisch sizilianisches Restaurant zu finden, aber es hat dann doch noch geklappt, per Zufall. Für heute haben wir uns vorgenommen, Alcamo zu besuchen. Anscheinend soll man dort einigermassen gut einkaufen können, aber Ratschläge sind immer etwas mit Vorsicht zu geniessen und so haben wir mal nicht viel erwartet. Wir wurden dann aber sehr positiv überrascht. Das heisst nicht, dass nun diese Stadt allen Touristen gefallen muss, wahrscheinlich sogar eher nicht, aber genau das hat uns daran gefallen, wir waren wohl die einzigen Touristen dort.

Erste Hürde ist, die Hässlichkeit der Gegend zu ertragen, durch die einen die Zufahrtsstrassen führen. Schafft man das, muss man sich als nächste Aufgabe dem echten sizilianischen Kleinstrassenverkehrskrieg entgegen stellen. Die kleinen, aus lange vergangenen Zeiten stammenden Strassen, sind grundsätzlich nur für Kleinwagen ausgelegt, grössere Wagen würden hier einfach nur steckenbleiben. Dann muss man mit seiner Fahrweise eine gewisse Arroganz ausstrahlen. Fährt man zu langsam und vorsichtig, hat man verloren. Rechts vor links ist hier eher ein sehr theoretisches Konstrukt als eine gelebte Verkehrsregel. Vorfahrtsschilder scheinen nett gemeinte Ratschläge zu sein… Wir würden wahrscheinlich jetzt noch an der einen Kreuzung stehen und warten, dass uns jemand reinfahren lässt. Trotz aller Arroganz ist es aber auch ratsam, die Fussgänger nicht zu überfahren, da sich diese nach einer ebenso arroganten Art fortbewegen: wer dem Autofahrer in die Augen schaut, hat verloren. Das heisst, wenn man nicht auf die Fussgänger achtet, überfährt man leicht aus Versehen einen. Und das ist im Land der Mafia sicher auch keine gute Idee. Man weiss nie, wen man überfährt!

Nach ein paar Runden habe ich das System verstanden und es macht zunehmend Spass. Schade, dass wir irgendwann parken und einkaufen müssen. Dabei entdecken wir immer schönere Winkel, zerfallene alte Gebäude, schöne Kirchen, für die wir keine Zeit haben. Um 1 Uhr schliessen die Geschäfte, nun müssen die Sizilianer doch wohl in die nächste Trattoria rennen, um den Einkauf würdig abschliessen zu können. Doch weder mit weiteren Autosuchfahrten, die an Computerspiele erinnern, noch zu Fuss können wir etwas in der Art eines Restaurants finden.

Die Lösung: Alcamo Marina, da muss es von Restaurants wimmeln. Unten angekommen, wird der Strand zusammen mit einer Häuserreihe durch eine Bahnlinie von den restlichen, noch hässlicheren, noch toteren und noch verschlosseneren Häusserreihen abgetrennt. Es gäbe da 2-3 Restaurants, die sind aber wohl nur im Juli und August geöffnet. Der Magen hängt uns immer tiefer, die Laune auch, die Uhr zeigt 14:15, zu spät für jedes Restaurant in Deutschland. Aber wir haben noch Hoffnung, schliesslich sind wir in Italien.

Zurück in Castellammare del Golfo lesen wir beim erstbesten Restaurant auf dem Schild „Slowfood“, il Ristorantino del Monsù.  Schnell parken, sie nehmen uns noch auf, trotz fortgeschrittener Zeit, und wir bekommen bereits beim Lesen der Karte feuchte Augen.

S. nimmt ein Caponata alla Siciliana anschliessend Schwertfisch mit Semmelbrösel gebraten, ich entscheide mich für einen Polpo Patate (Kartoffel-Pulpo-Salat, meist lauwarm), dann Spaghetti Vongole, S. jr. bekommt ein Stück Fleisch in Masala-Sauce.

Der Polpo ist butterweich, in einer zitronigen Vinaigrette lauwarm mit den, leider ein ganz klein wenig zu weich gekochten Kartoffelwürfeln gemischt serviert. Viel Petersilie, einen kleinen Schuss Weisswein, viel Olivenöl, sonst eher wenig gewürzt. Somit wird der Eigengeschmack des Pulpos nicht zerstört, sehr lecker! Die Spaghetti Vongole sind, wie sie sein müssen, dieses Mal angenehmerweise sogar ohne Sand! Leider mit den ganz dicken Spaghetti, da bevorzuge ich die ganz dünnen, aber das kann ich jetzt keinem Koch vorwerfen.

Die Caponata von S. ist ein kalter oder lauwarmer „Eintopf“ aus Tomaten, Auberginen, nicht zu weich gekochten Mohrrüben, festem Fisch, Zucker, Kapern, Oliven, Rosinen und Sardellen. Alles weitere dieses herrlichen Gerichts ist wohl eher Geheimnis des Küchenchefs. Der Schwertfisch wird paniert gebraten als Tranche serviert, wäre mir etwas zu trocken, ist aber typisch für die Gegend und passt von daher ausgezeichnet nach der Primi Piatti. Ein Salat hätte sicher noch gut dazu gepasst, aber den haben wir leider nicht bestellt.

Dazu ein herrlicher Weisswein, eine kleine Flasche, zwei Espressi, das waren mal wieder sehr gut investierte 70 Euro!

Mögliches Rezept der Caponata:

Solange ich es noch nicht nachgekocht habe, hier erstmal nur der Link auf ein Rezept, das mir sehr gelungen erscheint: http://www.mein-italien.info/essen-und-trinken/auberginen.htm

 

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