[Restaurant] Oh de Vie im Lenkerhof

21.06.2022
Christian
Mit was beginnt man einen Bericht über das Thema Essen und Geniessen in Südtirol? Ein sinnvolles Zitat von Goethe würde doch Sinn machen, schliesslich ist er 1786 auch durch Südtirol gekommen, hat dort sicher etwas Feines gegessen und ein mehr oder weniger sinnvolles Zitat hinterlassen. Aber nach einer halben Stunde stöbern durch seine schriftlichen Aufzeichnungen gebe ich auf. Vielleicht hatte er keinen Hunger. Oder vielleicht war damals die Küche ja noch eine ganz andere. Denn so sehr man sich in Südtirol noch den deutschsprachigen nördlichen Regionen hingezogen fühlt, so hat sich über die letzten hundert Jahre doch auch der italienische Einfluss bemerkbar gemacht. Und wo Bitteschön ist italienischer Einfluss nicht schöner als beim Essen (gut, abgesehen von der Mode. Und dem Design. Und noch so einigem.).
Fährt man von den Schweizer Pässen über die italienische Grenze nach Südtirol ist von diesem Einfluss noch nicht so viel zu spüren. Es herrscht Alpencharme, massive Bauweise, Kühe weiden und fährt man durch das Vinschgau abwärts Richtung Meran findet man keine Olivenbäume mit Zypressen sondern geschätzte zwei Millionen Apfelbäume, deren Früchte die halbe Welt mit dem kräftigen Apfelaroma versorgen. Wer mehr auf Qualität als Quantität steht, der sollte sich die Seite der Bioapfelbauern anschauen! Dort findet ihr sehr charaktervolle Profile von über 20 der 250 Bauernfamilien.

Während man im Mai oben im Vinschgau noch die volle Blüte erlebt, sind die Blüten unten in Meran längst am Boden. Äpfel sind aber nicht das Einzige, was im oberen Vinschgau angebaut wird. Auf unserer Fahrt durch den kleinen Ort Laas stand in grossen Lettern: Marmor und Marillen! Marmor ist weniger zum Essen geeignet, wenngleich die ursprünglichen Zutaten des Gesteins viele kleine Meerestiere gewesen sein mochten. Doch das ist Schnee von gestern, beziehungsweise von vor über 200 Mio. Jahren. Heute wird der Marmor von hier ähnlich dem aus Carara in die ganze Welt verschifft. Die Marillen aber bleiben eher hier und werden am ersten Augustwochenende in Laas gefeiert.

Brot

Kartoffel-Focaccia mit sizilianischen Mandeln mit Basilikum Butter.

Kleines Tartine mit Creme Fraiche, Sardinen

Diese speziellen Sardinen werden am letzten Tag der Fisch-Saison gefangen, eingelegt.

Bis zu 10 Jahre alt.

Curry Crostinis.

Caponata Bisquit mit Paprika, Aubergine und Schalotte,

Aranchini mit Ricotta und Aubergine.

Lenker Kalb. Bafego Thunfisch. Schnittlauch.

Vitello Tonnato

Simmentaler Kalbcreme. Bafego Thunfisch und Toro Bauch. Schnittlauch-Gel. Blüten

Thunfisch-Consomé, Schnittlauchöl, Kaviar.

Die Hauptgerichte

Links ein Hauptgericht, das zum Standardgericht der einen Tochter wurde. Das Besondere: auch das Schnitzel wurde glutenfrei zubereitet und war von einem normal zubereiteten Schnitzel kaum zu unterscheiden.

Beim Hauptgericht konnte man jeweils zwischen Fisch und Fleisch wählen. Auch wenn die Fotos täuschen, so haben wir auch den ein oder anderen Fisch getestet. Alle Gerichte waren exakt zubereitet und von höchster Qualität. Egal ob die gebratene Entenbrust, gebackene Griesbällchen, Apfel, Rotkraut und Portwein oder das Duett vom heimischen Spanferkel, Mais, Babykarotte und Rosmarinjus.

Die Desserts

Oh, und diese Desserts. Wenn das Dessert allzu schnell weg war, haben wir nachgefragt, ob es denn nicht zufällig drei weitere klitzekleine Desserts in der Küche übrig hätte? Und tatsächlich kamen wir so in den Genuss von gleich zwei Panna cotta.

Ob man das überhaupt essen konnte nach so vielen Gängen? Das war in der Tat kein Problem, denn das Menu war von der Menge und Abfolge so aufgebaut, dass man nicht tot ins Bett gefallen ist.

Picknick im Grünen vom Torgglerhof

Unter einem Picknick im Grünen kann man sich so allerlei vorstellen. Was uns bei dem vom Apfelhotel organisierten Picknick zum Mittag erwartete, war dann aber etwas ganz Besonderes. Auf dem Programm stand: „Pinzgauer-Fahrt zum Weinberg nach Riffian“, was uns erstmal vor die Frage stellte, was denn ein Pinzgauer überhaupt ist. Nein, es ist kein Pferdegespann mit einer typischen Südtiroler Pferderasse sondern ein österreichisches Militärfahrzeug aus den 70ern von Steyr-Puch. Mit dem Exemplar auf dem Torgglerhof werden jedoch keine Grenzen gesichert sondern nur die Besucher in friedlicher Mission auf dem Gelände spazieren gefahren. Gesteuert wird das geländegängige Urtier von Sepp, dem Urgestein und Gründer des Apfelhotels. Er bringt uns zu seinem Weinberg und nach wenigen Minuten erreichen wir einen traumhaften Platz mit Blick auf das Tal.

Der Tisch ist gedeckt und in der kleinen Hütten finden wir eine Kiste, die sich am Ehesten mit Tischlein-Deck-Dich assoziieren lässt. Wunderbarste Köstlichkeiten sind darin mit geschickter Schreinerkunst so ineinandergeschachtelt, das man sich wundert, wie alle Köstlichkeiten darin Platz finden. Sogar an die Desserts ist gedacht und der Spätburgunder vom Hof begleitet das schöne Mahl.

Restaurant Miil auf dem Kränzelhof

Um vielleicht nochmal auf Goethe zurückzukommen… hätte ihn sein Weg an Meran vorbeigeführt (was ich immer noch nicht verifizieren konnte), dann hätte er sich sicher einen Wein auf dem Kränzelhof gegönnt. Denn dieses Schloss steht schon seit über 600 Jahren und Wein wird schon lange vor Goethe’s Reise beim Schloss angebaut.

Und trotzdem, hätte er durch die Zeit reisen können, er wäre lieber im Jetzt am Kränzelhof vorbeigefahren. Er hätte sich hervorragend mit dem heutigen Besitzer Franz von Pfeil, einem unkonventionellen Charakterkopf unterhalten. Das habe ich auch, ohne mir anmassen zu wollen, mich auch nur im Entferntesten mit einem Goethe vergleichen zu wollen.

Dieser von Pfeil hält nichts vom klassischen Verkauf, hat keine Lust, seine aussergewöhnlichen Weine anzubiedern. Vielmehr hat er um sein Schloss ein Paradies kreiert, dass die Weinkäufer doch bitteschön zu ihm pilgern sollen, als er zu ihnen. Interessantes und dreistes Konzept, das aufzugehen scheint. Grund dafür sind die biologisch angebauten Weine, die er in vielen Belangen sich selbst überlässt und so kein Interesse daran zeigt, dem Wein zu sagen, was er denn machen soll. Das wisse der Wein schon am Besten selber. Ein Weinberater, der hier den Ausbau so oder vielleicht so empfehlen würde, damit er doch eine möglichst hohe Punktzahl bekomme, würde wohl schnell vom Hof gejagt.

Auf dem Hof gibt es auch noch Gärten, aber davon mehr in einem anderen Artikel.

Im Restaurant Miil konnten wir leider zum essen bleiben. Aber Othmar Raich hat uns beim Besuch der Gärten und der Weinprobe ein paar kleine süsse Köstlichkeiten vorbeigebracht. Sie hinterliessen eine Vorahnung, was die Gäste beim Besuch des Restaurants erwarten darf.

Im Restaurant spürt man die gleiche Energie, die auch schon in den Gärten ihre Wirkung gezeigt hat, die Atmosphäre nimmt sogleich gefangen und bei unserem nächsten Besuch in Meran wird dieses Restaurant definitiv auf unserer Liste stehen.

Restaurant IM KULT

Unsere Reise führte uns an einem weiteren Mittag zu einem traditionsträchtigen Gebäude. Vor über 100 Jahren wurde in diesem Gebäude eine Seifenfabrik eröffnet und bis in die 70er Jahre betrieben. Seifen braucht es zwar immer noch, aber wohl nicht mehr von dort. Zum Glück wurde das Gebäude nicht abgerissen sondern vor einigen Jahren mit einem neuen Konzept aus der Versenkung gehoben: Food, Design, Culture. So wurde die sehr gute, aber einfache Küche mit italienischer Prägung kombiniert mit wunderschönen kleinen Shops und einem Angebot an Kultur, das jetzt Coranabedingt erstmal brach lag.

Wir wurden draussen im Hof wunderbar versorgt mit Risotto Bianco, einem ausgezeichneten Pulpo und einem herrlichen Stück Fleisch. Der Koch aus Süditalien versteht sein Handwerk und der Service war an Freundlichkeit nicht zu toppen. Übrigens durchaus keine Ausnahme hier in Südtirol, Gastfreundschaft kommt hier vom Herzen.

Unsere Empfehlungen

Zu der Pressereise wurden wir von Südtirol Tourismus eingeladen. Neben dem Hotel und den Restaurants konnten wir noch viele weitere Besonderheiten besuchen. In der folgenden Karte haben wir wichtige Adressen zusammen gesammelt. Nicht überall waren wir, dafür war die Zeit zu kurz. Empfehlungen sind es aber trotzdem.

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