[Restaurant] Nespresso Gourmet-Dinner im Prisma, Park Hotel Vitznau

Prisma in Vitznau

Draussen ist es kalt. Draussen ist es dunkel. Es regnet.

Wir treten in die Wärme. Ein grosser Glaskubus führt seitlich am türkisblauen Wasser des Pools des Park Hotels Vitznau entlang, das von wilden Regentropfen aufgepeitscht wird. Innen werden wir herzlich und freundlich in Empfang genommen und an einen edel schlichten Tisch im Restaurant Prisma gesetzt. Wir haben 50 Minuten Fahrt von Zürich hinter uns und freuen uns, dem Toben des Wetters draussen für eine Weile zu entrinnen und uns den Geschmäckern hinzugeben, mit denen uns Patrick Mahler mit seinem Team die Verbindung von Kaffee und Kochen schmackhaft machen will. Nespresso hat uns zu dem Dinner eingeladen.

Nespresso

Nach einem ersten umwerfenden Lunch von Heiko Nieder im Dolder in Zürich sind wir heute von Nespresso zum Abendessen eingeladen. Auch Patrick Mahler nimmt mit seinem Team vom Restaurant Prisma im Park Hotel Vitznau die Herausforderung der Nespresso Gourmet Weeks an und serviert ein Menu, in dem in jedem Gang ein Nespresso-Kaffee eine Rolle spielt und Geschmacksnuancen beiträgt, mal mehr, mal weniger stark.

Auch wenn die Weinbegleitung zum Menu preislich recht stolz ist, so ist das Menu mit CHF 120 am Abend auch für junge Leute eine grosse Verlockung, sich einmal in die Gourmet-Welt hineinzutesten. Was einem die teilnehmenden Spitzenköche hierfür bieten, ist grosse Küchenklasse.

An Sonntagen, an denen in Zürich fast alle grossen Köche Ruhetag haben, ist der Weg zu den lukullischen Leistungen des Prisma unbedingt zu empfehlen.

 

Nespresso Starters

Unsere Nespresso Gourmetreise beginnt. Es ist Tradition im Prisma, dass der Koch aus dem Team, der die Starter zubereitet, diese auch serviert. So auch dieses Mal, uns werden Mini-Tacco mit Rotkraut, Entenconfit, Zwiebelconfit und Sanddorn gereicht, ein Luma-Beef-Tartar mit Schwarzbrotcrumble serviert in einer Nespressokapsel (ausgezeichnet!), eine leckere Kürbiscreme mit intensiver Dillcreme auf Cracker und ein perfektes Fischtartar, Kaffeeöl, Topinambur und Kaviar.

Das selbstgemachte wunderschöne Brot wird mit aufgeschäumter Salzbutter sowie Hüttenkäse, aromatisiert mit Kaffee, serviert. Ein fulminanter Start. Als weiteren Starter kommt ein schon fast eigener Gang, ein Zander mit Erbsenfond, begleitet von herrlichen Ölen und gepickelten dünnen Hokkaidostreifen, dazu knackige Erdnuss. Grosse Geschmacksklasse!

Wein

Die Weinbegleitung startet mit einem besonderen Wein aus Österreich. Besonders zum einen, weil auf Herbizide etc. komplett verzichtet wird und die Weine auf der eigenen Hefe vergären und bis zu 20 Jahren in Eichenfässern lagern. Zum anderen, weil das Weingut eine 2000-jährige Tradition hat und damit das älteste Weingut Österreichs ist. Der Riesling lag ein halbes Jahr im grossen alten Eichenfass und gefällt mit seinem vollmundigen Aroma. Federspiel ist übrigens die Bezeichnung für einen eingetragenen Qualitätswein (Kabinett, zwischen 11.5 und 12.5 % Alkohol) der Wachau. Nur die Mitglieder des Verbands dürfen diese Bezeichnung verwenden.


 

Entenleberterinne. Entenlebereis. Pastinake. Cassis. Haselnuss. Purple Curry.

Als ich das erste Mal von Enterlebereis gehört habe bzw. es plötzlich serviert bekam, habe ich schon etwas die Stirn gerunzelt. Genausowenig, wie ich Rind mit Schokolade serviere (auch wenn das zuweilen gemacht wird), würde mir einfallen, Entenleber als Eis zu servieren. Doch ich habe mich damals getäuscht und dieses Mal wusste ich, was mich erwartet. Der ausgesprochen schön angerichtete Teller war auf den ersten Blick mit sehr vielen Aromen und Texturen zusammengestellt. Erst mit dem Essen hat man gespürt, dass hier nichts zuviel ist, sondern sich die einzelnen Komponeten wunderbar ergänzen und zusammen einen harmonischen und ausgesprochen leckeren Teller abgeben.

Die Entenleber als Terrine mit Purple Curry und als Glacé, die Pastinake als Créme und als Chips, Knollensellerie als Créme sowie als hauchdünn aufgerollte gepickelte Variante, die dem ganzen einen leicht sauren Touch gegeben hat. Stangensellerie als Brunoise, blanchiert, ebenfalls etwas säuerlich abgeschmeckt, untergemischt eingelegte Senfkörner. Als  geschmacklich und farblicher Kontrast hat die dunkelviolette Cassiscréme perfekt harmoniert. Die krosse Textur übernahm eine gebratene Entenhaut und ein Tapiokachip mit Kaffeepulver.

Grand Cru Kazaar

Der Kazaar ist der intensivste Nespresso im Programm. Mit hohem Bitteranteil und wenig Säure nimmt es dieser Robusta und Arabica aus Südamerika mit der Entenleber auf.

Lopez Heredia

Super, ein weisser Rioja. Wird nicht so oft serviert und wir freuen uns auf die Abwechslung. Der sehr trockene weisse Vina Tondonia Reserva des 1877 gegründeten Weinguts R. Lopez de Heredia aus den Trauben Viura (90%) und Malvasia (10%) lag 6 Jahre im Eichenfass und ist weich und vielschichtig. Ein perfekter Wein zu dem Gericht.


 

Steinbutt.

Überraschungen wieder im nächsten Gang, hier trifft ein perfekt gegarter und geschmacklich ausgezeichneter Steinbutt auf Blumenkohl, Rande und Trüffel. Die Blumenkohlcreme mit einer fast zu bitteren Note (die FoodFreaks Blumenkohlcreme findet ihr hier), Rande als Brunoise und als gepickelte dünne Scheiben, eine wunderbar intensive Trüffelcreme und geriebene Trüffel, wahnsinnig gut zum Fisch! Und der Kaffee hat sich in einer schaumigen Beurre Blanc versteckt. Dazu auf einem extra Teller eine Scheibe Brioche, perfekt!

Grand Cru Livanto

Der Livanto, ebenfalls aus Mittel- und Südamerika, allerdings nur mit Arabicas zeigt weniger Bitterkeit, dafür mehr Säure. Das ist auch wichtig in der Beurre blanc, die mit dem Kazaar wohl zu bitter geworden wäre. Mit dem Livanto genau perfekt abgestimmt.

Prieur Meursault

Ohhh, der war vielleicht gut! Der Chardonnay Meursault Clos de Mazeray aus dem Gebiet Mersault in der Bourgogne wurde ebenfalls im Holzfass ausgebaut. Die handverlesenen Trauben der alten Reben der Domaine Jacques Prieur sind Grundlage für den ausgezeichneten Geschmack. Der Clos de Mazeray übrigens mit CHF 65 (die Flasche im Einkauf) noch der günstigste Weisse des Weinguts, die Grand Crus gehen dann hoch bis CHF 500!


 

Taube.

Eine Augenweide auch der nächste Teller, die Taube zart rosa gegart, ein geschmacklich perfekt austariertes krosses Mini-Sandwich mit Tauben-Innereien, fermentierter Knoblauch, ganze Mandeln, Sellerie-Blumenkohl-Creme mit Kaffeearomen. Auf einem extra Teller wurde begleitend ein Wantan mit Tauben-Ragout gebracht, der auf einem Mini-Pilzragout gebettet war und in einer zarten Sauce lag, die mit dem von Patrick Mahler und seinem Team in monatelanger Vorbereitung hergestellten Kaffee-Öl aufgegossen wurde. Auf beiden Tellern dieses Gangs zeigte sich das ganze Können des jungen Küchenteams um Patrick Mahler, auf dessen weitere Kochabenteuer wir gespannt sind.

Grand Cru Roma

Schöne Holznoten bringt der Roma aus Arabica und Robusta von Mittelamerika. Intensiv, nicht so stark geröstet, wird der Kaffee in diesem Gang zu Kaffeeöl verarbeitet.

Saint Préfert

Der Chateuneuf du Pape der erste Rote an diesem Abend. Auf der Webseite der Domaine Saint-Préfert findet man noch nicht sehr viel ausser dem Bild der Besitzerin, einer ehemaligen Finanzmanagerin. Der Wein sehr konzentriert und mit schönem Tannin.


 

Topinambur. Birne. Vanille. Kaffee

An einem Nachbartisch sind uns Weingläser ins Auge gefallen, die so durchsichtig scheinen, dass man sich wundert, dass diese nicht bei der kleinsten Berührung platzen. Das wirklich herzliche Team um Executive Chef Christian Nickel macht uns die Freude und serviert uns den Wein zum Dessert in einem dieser Zalto denkart Gläser. Obwohl diese mundgeblasenen Gläser so zart und sanft daher kommen, als würde man aus einer Blüte trinken, sind sie anscheinend sogar spülmaschinenfest? Wir freuen uns, immer wieder dazuzulernen!

Auf dem Desserteller überrascht uns dann zunächst eine Stange mit wolkiger Zuckerwatte. Diese ist mit fein gemahlenem Kaffeepulver bestäubt, was im Mund eine herrliche Kombination aus luftiger Süsse und bitteren Kaffeenoten ergibt. Sehr kreativ und geschmacklich perfekt. Auf dem Teller ergibt dann cremiges Topinambureis mit knackigen Topinamburchips und frischem Birnenkompott einen fruchtigen Kontrapunkt zu cremiger Schoggimousse mit Kaffeecrumble. Eine schöne herbstliche Komposition, die dem Wetter vor den Fenstern Referenz zollt.

 

Grand Cru Fortissiu Lungo

Hier mischen sich Arabica aus Südamerika mit den Monsunkaffees aus Indien. Weniger Säure, weniger Bitterkeit und mehr Getreidearomen kennzeichnen diesen Kaffee.

Rivesaltes 1970

Das Etikett der Flasche verrät nicht wirklich viel und es braucht die Wein-App, die mir schliesslich den Winzer preisgibt: Delving à Elne. Komplexer Süsswein als Abschluss aus dem Languedoc-Roussillon, reine Grenache-Trauben.


 


 

Fazit

Vitznau ist gar nicht so weit. Von Zürich. Wenn es den Weg lohnt. Zum Essen bei Patrick Mahler tut es das. Das Nespresso-Gourmet-Dinner hat er mit Raffinesse und viel Gespür für feinen Geschmack optimal umgesetzt. In seiner kleinen Küche scheint ein freundlicher und konstruktiver Ton zu herrschen, in dem sein junges Küchenteam kreative Ideen umsetzt.

Ab Frühjahr 2018 zieht das Team um in die wesentlich grössere Küche des Restaurants focus im Hotel. Wir sind gespannt, was sich das Team in der neuen Küche einfallen lässt und freuen uns darauf, auch das focus kennen zu lernen.


 

Informationen

Park Hotel Vitznau
Seestrasse 18
6354 Vitznau

Telefon: +41 41 399 60 60
reservation@parkhotel-vitznau.ch

Öffnungszeiten:

Mittags
11.45–14.00 Uhr

Abends
ab 18.00 Uhr

Juli bis September
01.07.17 bis 30.09.17
Mittags und abends geöffnet, ohne Ruhetag

Oktober bis November
01.10.17 bis 30.11.17
Mittags täglich geöffnet
Donnerstag- bis Montagabend geöffnet
Dienstag- und Mittwochabend geschlossen

Dezember
01.12.17 bis 31.12.17
Mittags und abends geöffnet, ohne Ruhetag

 

Besucht am 05.11.2017

FoodFreaks wurde von Nespresso für das Dinner und Kaffee eingeladen. Die Kosten für Getränke wurden von uns bezahlt. FoodFreaks nimmt diese Einladungen gerne entgegen, da ansonsten Restaurantbesuche wesentlich seltener möglich wären. Dennoch schreiben wir unsere Meinung und lassen uns von der Einladung nicht beeinflussen!

Lage des Restaurants

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