[Restaurant] George Bar & Grill

George Bar & Grill

Bei Immobilien gibt es bei der Bewertung eine Regel, wie man den Wert festlegen kann:

  1. Lage
  2. Lage
  3. Lage

Ganz so würde ich es bei George Bar & Grill nicht sagen, aber wenn ich eine Regel aufstellen könnte, so wäre diese:

  1. Aussicht
  2. Aussicht
  3. Meat

Die Lage von George ist umwerfend. Von der Sihl aus über die Sihlbrücke kommen wir zum kleinen Hintereingang, der Lift lässt keine Wahl, es geht gleich in den obersten Stock. Das gefällt schon mal! Oben empfängt uns ein erstaunlich niedriger, dafür umso grösserer Raum, hervorragend komponiert. Ich war noch nie in NY (im Vergleich zur Frau), aber so stelle ich mir ein gutes Grillrestaurant in NY vor.

Im Zentrum die riesige Bar, weiter aussen verschiedene Sitzbereiche, in Sesseln, Bänken, Stühlen, verschiedene Stiele, die sich aber gut miteinander vereinen. Wie einer Schale gleich zieht sich aussen die Terrasse um das UBER Gebäude, nach Osten, Süden und Westen. Uns interessiert heute Abend nur die Sicht nach Westen für den kitschigen Sonnenuntergang. Für das Personal täglicher Ausblick, uns hingegen bleibt der Mund vor Staunen offen, wirklich phantastisch. Und wir verstehen, warum irgendwann einmal irgendein Immobilienmensch oder Architekt oben genannte Regel ersonnen hat.

Die Karte

Wir blättern die schön gestaltete Karte auf, schönes Logo übrigens. Auf der ersten Seite liest man über Vorspeisen, Suppe, Salate, Austern und Vegetarisches (was haben Vegetarier hier verloren?). Erst auf der zweiten Seite weiss man dann, das man hier als Karnivor richtig ist, getreu dem Motto von Schweizer Fleisch: Alles andere ist Beilage. Das passt hier perfekt, mal sehen, ob auch die Qualität stimmt.

Bei den Vorspeisen tendieren wir zwischen Bismarck Hering, Maine-Lobster-Cocktail (mit Limetten-Koriander-Vinaigrette) und Tartar, entscheiden uns dann aber für die Vorspeisenvariation Surf and Turf.

Die Hauptkarte macht erstmal auf die Garstufen aufmerksam, das Wichtigste in einem Grill-Restaurant! Es folgen Fleischgerichte vom Tenderloin, Rib Eye, Striploin, Skirt Steak, Huftsteak sowie Lammrack, Entenbrust aber auch Fisch und Krustentiere. Neben diesen „simplen“ Angeboten gibt es auch für richtige Fleischfans ab 2 Personen riesige T-Bone und Porterhouse.

Dazu sechs verschiedene Saucen (CHF 3.00), vier Beilagen (CHF 7.00) und sechs Gemüse (CHF 7.00), frei wählbar.

Ah, und Desserts gibt es auch. Ohne Fleisch!

Kleine Fleischkunde

Loin ist die Bezeichnung für Lende. Das beste und teuerste Stück ist das Tenderloin (tender = zart), das Filet. Dabei unterscheidet man die Filetspitze, das Mittelstück und den Filetkopf.

Die Filetspitze ist besonders zart, damit kann man ein perfektes Geschnetzeltes machen, etwas weiter dann Medaillons schneiden. In Frankreich heissen diese Stücke Filet Mignon, in Amerika werden alle Stücke des Tenderloin Filet Mignon genannt.

Chateaubriand bzw. Tournedos bietet der mittlere Teil, der Filetkopf ist dann qualitativ wieder etwas abfallend.

Alle Stücke von der Lende sollten am Besten rare oder medium rare zubereitet werden.

Warum Auge? Wegen dem charakteristischen Fettfleck, der fast wie ein Auge aussieht. Das Ribe-Eye wird aus der hohen Rippe geschnitten, ist zart und äusserst geschmackvoll. Meist 2-4 cm dick und ca. 2-300 gr. schwer wird es ohne Knochen zubereitet.

Das Striploin wird hierzulande als Rumpsteak bezeichnet. Nicht so zart wie das Tenderloin, dafür kräftiger im Geschmack, insbesondere auch durch den Fettrand an der Seite. Von vorne aus gibt es eine weitere Differenzierung in pin bone sirloin, beim Porterhouse der grössere Teil, dann das flat bone sirloin, das round bone sirloin und zum Schluss das weniger zarte wedge bone sirloin.

Auch bei diesen zarten Stücken gilt: nicht marinieren, am Besten auf den Grill und maximal medium rare!

Das Skirt Steak kommt vom unteren Rippenbogen, nahe dem Zerchfell. Es hat einen kräftigen Geschmack, ist aber tendenziell eher zäh. Von daher eignet es sich gut zum Marinieren. Es gibt aber viele Steak-Fans, die für dieses geschmackvolle Stück jedes Tenderloin stehen lassen, das für den erfahrenen Steak-Esser zwar zart, aber etwas zu charakterlos ist.

Aus der Keule geschnitten, sehr intensiver Geschmack, wenig marmoriert, kann es auch auch phantastisch zubereitet werden. 2-3 cm dick geschnitten, 2-300 gr. schwer.

Noch grösser ist nur das Porterhouse! Aber mit dem T-Bone kann man auch für 2 Personen den Hunger schon mal gut stillen. Mit 4 cm Dicke ist es etwas dünner geschnitten als das Porterhouse und muss auch mit einem kleineren Filet-Anteil auskommen.

Das T-Bone besteht aus dem geschmacksintensiven Top Loin und dem butterzarten kleineren Tenderloin. Dazwischen der T-förmige Knochen.

Das Gewicht liegt bei ca. 600-800 Gramm.

Für ein Porterhouse Steak braucht ihr so richtig Hunger. Das Porterhouse ist ein riesiges T-Bone Steak mit einem grösseren Anteil Filet als beim T-Bone. Es besteht aus dem geschmacksintensiven Top Loin und dem butterzarten Tenderloin. Dazwischen der T-förmige Knochen.

Das Gewicht liegt bei ca. 800-1000 Gramm, Dicke um die 6 cm. Aus diesem Grund wird das Porterhouse meist für 2 Personen serviert.

Guter Überblick in Deutsch: Steak-Arten

Guter Überblick in Englisch: Steak-Arten und hier.


 

Vorspeise

Wir bekommen erklärt, dass es die in der Karte beschriebenen Fleisch- und Fischvorspeisen kombiniert auch in der Surf-and-Turf-Variation auf einer grossen doppelstöckigen Platte gibt. Das ist ziemlich genau die perfekte Vorspeisenauswahl für uns! Die Auswahl war in der Tat phantastisch, unten auf Eis frische Austern und schön dünn aufgeschnittenes Carpaccio, oben leicht scharfes Tartar, Pulpo (leider gar nicht zart), Scampis (hm, hm,…) und sehr feiner Salat mit einem schönen Dressing.

Spassig zum Anschauen: die Gerichte werden auf riesigen Tablets auf den Schultern von der Küche getragen, ein weiteres NY-typisches Detail.

Nach der Vorspeise sind wir fast schon satt. Aber wir lassen es uns nicht nehmen, doch noch einiges auszuprobieren. Die Frau testet die Strapazierfähigkeit vom Service und bestellt wild durcheinander, nur kein Fleisch mehr, das wird ihr zu viel. Der Service nimmt alles locker und ausserordentlich freundlich auf, ein riesiges Plus! Und auch sonst überzeugt der Service, nicht so steif wie in manchem teuren Zürcher Restaurant sondern eher salopp, aber stets zuvorkommend. Das passt zum Stil vom George.


 

Hauptgericht

Meine Wahl fällt auf Tenderloin, 250 gr, wie immer blutig. Dazu die Sauce Bernaise und die Pfeffersauce, um zwei Varianten zu testen während die Frau zwei weitere Saucen wählte. Als Beilage wähle ich nur Gemüse, die grillierten grünen Spargel.

Grillierte grüne Spargel direkt vom Feuer sind etwas Wunderbares. Knackig, leicht nussig, rauchig. Die servierten Spargel sind leider zu weich, sie waren sicher auf dem Grill, aber vielleicht vorher schon gekocht, weshalb sich das nussige Aroma nicht so durchsetzen konnte.

Die Saucen waren gut, wobei ich mir von der Pfeffersauce etwas mehr erwartet hätte. Insbesondere die Konsistenz fand ich nicht überragend. Die Sauce Bernaise sehr gut, ebenfalls BBQ-Sauce, die Kräuterbutter könnte etwas mehr Geschmack haben.

Aber was rede ich über die Beilagen, es kommt auf das Fleisch an, und das war absolut phantastisch! Blutig? Oh ja, es kam blutig. Und unglaublich zart. Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Restaurants in der Schweiz serviert das George das Fleisch auch wirklich in den bestellten Garstufen. In wirklich richtig guter Qualität. Klar, aus Argentinien oder USA, würden viele vermuten. Nein, direkt aus der Schweiz, von Holzen.


 

Desserts

Wir wählen aus einer schönen Auswahl nur ein Dessert, von daher können wir hierüber nicht allzu viel sagen. Die Passionsfrucht Creme Brulée sieht hervorragend aus, ist jedoch geschmacklich eher enttäuschend. Die Passionsfrucht ist als Art Gelée am Boden, was sich sowohl geschmacklich als auch von der Textur nicht schön verbindet; das hat uns nicht ganz überzeugt.


 

Weine

 

Die Weinkarte überzeugt! Sowohl in der Qualität als auch Quantität. Auf den 16 Seiten findet sicher jeder etwas. Besonders aufgefallen sind uns die zwei Seiten der Weine im Offenausschank, mit denen man eine ausserordentlich schöne Auswahl erhält. Die Preise bei Weiss zwischen CHF 7.50 und 11.50 absolut in Ordnung, bei Rot mit CHF 8.50 (nur einer) und 13.50 dann doch etwas hoch. Besonders gefallen hat uns der Verdejo Menado, Rueda, 2014, schön kalt serviert.

Rot wählen wir Casino delle Vie 2011, der Wein von Sting von seinem toskanischen Weingut Tenuta Il Palagio. Der ebenfalls biodynamisch erzeugte prämierte Wein erinnert an Heidelbeeren und Brombeeren, eine schöne Kombination zum Tenderloin.


 

Fazit

George Bar and Grill ist ein wunderbarer Platz und in seiner Art einmalig in Zürich. Wie bei allen Restaurants ist aber wichtig, mit welcher Erwartungshaltung man wohin geht. Sucht ihr ein romantisches Essen mit einem hohen Gourmet-Anspruch, einer abwechslungsreichen Karte und schön angerichteten Kompositionen seid ihr hier falsch.
Wir empfehlen euch das George, wenn ihr eine richtig coole Atmosphäre sucht, wo man neugierig zu den anderen Tischen schielen kann, wer an Prominenz in Zürich unterwegs ist. Oder ihr einen Drink an einer schönen Bar oder auf einer wunderbaren Terasse sucht. Oder eben, das Wichtigste, wenn ihr auf der Suche nach einem richtig guten Stück Fleisch seid.

Noch etwas:

Infos zum Restaurant findet ihr am Einfachsten auf local.ch (dem Sponsor vom Swiss Gastro Award).

Dort findet ihr auch Beschreibungen zu vielen anderen Restaurants oder könnt gleich buchen.

Informationen

George Bar & Grill

Sihlstrasse 50
8001 Zürich

Telefon: +41 44 444 50 60
email: office@george-grill.ch

 

Öffnungszeiten:

Mo, Di, Mi 11:30 – 24:00
Do, Fr 11:30 – 02:00
Sa 16:00 – 02:00
So 16:00 – 24:00

 

Besucht am 10.04.2016

FoodFreaks Bewertung

Kreativität Gerichte: Typisch Grill
Qualität Zutaten: Sehr gut
Präsentation Teller: ok
Weine: Sehr gut
Ambiente: Sehr trendig
Service: Offen & schnell
Preis/Leistung: Eher hoch

 

2 Kommentare

  1. Fabienne Sutter 22. August 2017 Antworten

    Hammer Aussicht über die Dächer von Zürich. War bist jetzt nur für Drink und an der Bar. Muss unbedingt mal Essen gehen. Sieht sehr lecker aus.

    • Autor
      Christian 22. August 2017 Antworten

      War es auch! Die verstehen was von Fleisch zubereiten!

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