[Restaurant] Ecco im Hotel Atlantis

Am Fuss des Uetlibergs gibt’s seit Ende 2015 ein neues gastronomisches Highlight. Im alten Hotel Atlantis hat die Giardino-Gruppe das neue 5-Sterne-Hotel Atlantis mit dem Restaurant ECCO unter der gastronomischen Leitung von 2-Sterne-Koch Rolf Fliegauf eröffnet. Lohnt sich der Besuch?

Das Hotel

Ein Hotel-Restaurant ist nicht das Gleiche wie ein reines Gourmet-Restaurant. Während man sich als Hotelgast zurechtmacht, noch einen Aperitif in der Bar nimmt und dann ins Restaurant schlendert, praktisch in sein Esszimmer, so ist der Gast von aussen erstmal fremd. Das ist in jedem Hotel so, auch in dem neuen Hotel Atlantis. Von daher ist es sicherlich eine gute Idee, sich in der Bar mit Blick über die Stadt zunächst einen kleinen Apero zu gönnen und langsam anzukommen, bevor man am Ende der langgestreckten Bar seine Schritte ins Restaurant ECCO lenkt.

Dort glänzt weisser Marmorboden, es warten weisse Ledersofas und eine üppige Licht- und Blumendekoration in der Mitte des Raumes auf Gäste, deren Tische mit angenehm weiten Abstand voneinander platziert sind.  Das für manche vielleicht etwas protzig und kühl wirkende Ambiente wird dann aber schnell von angenehm warmherzigen und überaus professionellen Service-Mitarbeitern abgemildert.

Und was dann kommt, ist einfach phantastisch.

Das Konzept Giardino

Die Giardino-Gruppe startete ihren Erfolgszug in Ascona mit dem Giardino Lago. Im Winter ist es dort erfahrungsgemäss nicht voll mit Touristen und so zog man in einem geschickten Schachzug im Winter nach St. Moritz und eröffnete dort das Giardino Mountain.

Von Beginn an legte man grössten Wert auf eine sehr gehobene Küche und konnte mit Rolf Fliegauf jemanden ins Boot holen, der den beiden Giardinos je 2 Michelin Sterne holte.

Und erfreulicherweise ist nun auch Zürich in den Genuss eines Giardino Hotels (Atlantis) gekommen. Ob und wie sich das Hotel entwickeln wird, können wir nicht abschätzen, sind wir doch FoodFreaks und nicht HotelFreaks. Aber beim Restaurant Ecco können wir durchaus eine Prognose wagen: es dürfte in Zukunft schwer werden, hier noch einen freien Tisch zu bekommen. Die Küche spielt ohne jede Frage ganz oben in Zürichs erster Liga mit.

In der Küche steht wie in den anderen Ecco-Restaurants Executive Chef Rolf Fliegauf Pate, doch Küchenchef Stefan Heilemann hat weitgehend freie Hand und kann seine eigenen Vorstellungen gut umsetzen. Stefan kommt wie Rolf Fliegauf aus Deutschland und stand ebenfalls in Baiersbronn am Herd.

Menu & Kosten

Das etwas Unangenehme vorab. Aber das vergisst man schnell, wenn der erste Gang startet. Serviert werden zwei unterschiedliche Menus mit Varianten bei der Anzahl Gänge:

Fine Menu

  •    3 Gänge / CHF 148
  •    4 Gänge / CHF 162
  •    5 Gänge / CHF 174

 

Deluxe Menu

  •    6 Gänge / CHF 184
  •    7 Gänge / CHF 194
  •    8 Gänge / CHF 204

 

Amuse-Gueule

Der Start gleicht sich in allen Ecco Restaurants: fast schwarzes Brot (nein, nicht angebrannt! Malz!), wunderschön aufgeschäumte Butter, Maldon Sea Salt, Kresse. Mit zierlicher goldener Schere zum selbst schneiden.

Urban Gardening at it’s best!

Weiter mit knuspriger Rolle auf Holz, danach Austernperlen, geeist. Schnell essen, sonst werden sie zu warm! Tartar vom bretonischen Wolfsbarsch, pochierte Austern,  Blumenkohl dünn aufgeschnitten, knapp roh und in Form einer Creme. Grünes Öl aus Limonenschale. Optische wunderschön angerichtet und Aroma pur!

Weinbegleitung: Domaine Grand Cour, Pellegrin, Sauvignon blanc, 2014

Die Weinbegleitung wurde perfekt ausgewählt und erläutert vom Restaurant Manager und Sommelier Stefano Petta.

 

Bretonischer Taschenkrebs – Radieschen – Malz

Der Teller fast wie ein Garten. Stefan Heilemann versteht seine Kunst, die Gerichte perfekt zu drapieren und auch mit Form und Struktur der Zutaten zu spielen. Marinierte Radieschen und Rüben in Form von dünn aufgeschnittenen Scheiben oder als Hütchen gedreht. Malz in Form hauchdünner Brotscheiben. Einzelne bunte Blüten. Eine Kresse namens „blinQ blossom“, die mit kleinen Kristallen wie mit zarten kleinen Tautropfen überzogen ist und sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz her absolut überzeugt. Die Basis formt ein frisches Tartar vom bretonischem Taschenkrebs. Die perfekt abgestimmte Radieschen-Sauce mit Schnittlauch wird erst am Tisch serviert. Was für ein Start in das Menu!

Wein

Donatsch, Chardonnay, 2014, Passion

 

Frühlingsgemüse – Meerrettich – Escabeche Sud

Ein Gemüse-Fischgang. Mit zarten kleinen Fischnoten. Und einer spannenden und herrlich cremigen Meerretich-Basis, die etwas Schärfe bringt, darauf angerichtet verschiedene Gemüse, Blätter, essbare Blüten, Randenchips. Ein Sud mit Tomaten bringt Süsse und Säure. Ein Gericht, das nicht dem Geschmacks-Mainstream folgt sondern ganz eigene Akzente setzt. Kein lieblicher Gang sondern ein aromatischer Kraftprotz. Einer unserer Lieblinge des Abends!

 

 

Lugansersee Zander – Kalbskopf – Morcheln

Ein Gericht aus der Surf-and-Turf Kategorie. Nur einfach viel, viel besser als das, was sonst gerne unter dieser inzwischen überall beliebten Kombination aus Fleisch und Fisch serviert wird.

Ein schönes Stück Zander vom Luganersee. Mit Kaviar vom Stör. Dazu Morcheln und Spargel in einer Beurre blanc mit Kalbskopf und Kräutern. Getoppt vom gepufftem Kalbskopf. Ganz unterschiedliche Aromen, die sich gegenseitig unterstützen und ein volles und rundes Geschmacksbild abgeben.

Nicht einfach zu fotografieren… In Natur sah es perfekt aus.

Wein

Alban Vineyards, Viognier, Central Coast, 2014

 

Kurze Rippe vom Black Angus – Mais – PX Essig

Wenn Fleisch 30 Stunden lang bei 63° geschmort wird, ist das ein sehr guter Beginn für ein sehr feines Gericht.

Im Jus PX Essig, der 25 Jahre lang in Holzfässern gelagert wird. Ein Gericht, bei dem die Zutaten Zeit hatten.

Die ausgezeichnete Qualität des Fleisches zeigte sich dann auch nochmal in dem begleitenden Tartar. Begleitet von Mais in zahlreichen Variationen: Au natur, mariniert, als Mus und gepufft.

Zusammen ein kräftiges und vollmundiges Aromenfeuerwerk.

Wein

Somona County, Donelan, Rosé, 2014

 

Bresse Perlhuhn – Haselnuss – Kohlrabi

Die Frau mag Perlhuhn. Die Frau mag Kohlrabi. Die Frau mag Haselnüsse. Es war klar, dass dieses Gericht zumindest auf einer Tischseite ein Highlight sein würde. Durch seine Aromenraffinesse wusste dieser Gang aber durchaus beide Tischseiten voll zu begeistern.

Kohlrabi war einerseits blanchiert, und andererseits als kraftvolles dunkelgrünes Mus und frische junge Blatttriebe vorhanden. Perlhuhn gab es als Stück, als knusprige Haut und als kleine Stücke in der Sosse. Die Haselnüsse waren knackig geröstet und in einer sanften Creme. Und obendrauf noch eine Ravioli, gefüllt mit … (wir wissen es nicht mehr!).

Leider hat mit zunehmendem Abend und abnehmendem Licht auch die Qualität unserer Fotos massiv nachgelassen…

Wein

Domaine de la Rochette, Neuchâtel Vieilles Vignes, Pinot Noir, 2011

 

Grüner Apfel – Schafsjoghurt – Dill

Niemals hätten wir uns ein Dessert mit diesen Zutaten bestellt. Nachdem wir es gegessen haben steht fest, dass wir ein Dessert mit diesen Zutaten niemals mehr auslassen werden.

Was für eine Überraschung! Unterschiedliche Texturen, unterschiedliche Temperaturen, vereint durch eine zarte, angenehme und klare Frische mit einer unaufdringlichen Süsse. Die Aromen dieses Gerichtes verbinden sich so perfekt, dass es scheint, als hätte die Natur diese Geschmäcker von jeher füreinander vorgesehen.

Wein

Horst Sauer, Escherndorfer Lump, Riesling, Beerenauslese, 2014

 

Felchlin „Java“ Schokolade – Birne – Kräuter

Der letzte „offizielle“ Gang des Menus vor den weiteren kleineren Dessert-Variationen. Die phantastische Java-Schokolade in Form von einer Creme und als knusprige Variante. Die Kräuter auch hier in Form dieser herrlichen kühlen Perlen und als dezente Blättchen, die frisch von der Terrasse kommen.

Das schokoladige Dessert hat den vorangegangenen frischen Gang sehr schön abgerundet!

Nach-Desserts

Nach dem Dessert ging es weiter. Es schien nicht mehr aufzuhören mit unglaublichen bezaubernden Süss-Gerichten vom Chefpatissier André Siedl. Eines davon sogar in einer aufwendigen Uhrenbox von Hublot. Nicht ganz einfach zu essen und noch schlechter zu fotographieren 😉

Hublot Big Bang Kakaobohne & Orange

Milchhaut – Tonkabohne – Passionsfrucht

Honig – Ingwer – Yuzu

Müsli – Johannisbeere – Crealien

Sanddorn & Pistazie


 

Fazit

Endlich ein Menu, das den mittlerweile inflationär benutzen Begriff Aromaküche wirklich verdient. Die Vielfalt und Kombinationen der Aromen sind in der Tat ein Feuerwerk!

Das ECCO serviert ausserordentlich hohe Qualität mit einer sprühenden Kreativität. Mit den Zutaten bleibt man aber am Boden und experimentiert nicht über die Grenzen hinaus. Hier hat man praktisch eine Garantie, das jeder Gang überzeugt, und dennoch wird es nicht langweilig. Der Service perfekt und die Weinbegleitung mit vielen interessanten Erzählungen äusserst kurzweilig. Der Preis? Absolut gerechtfertigt für diesen Aufwand!

Was aber definitiv nicht sein darf: im ECCO darf an keinem Abend auch nur ein Platz frei sein! Das liegt aber nicht in der Hand von Küchenchef Stefan Heilemann sondern an den Zürchern. Verdient hat er es, dass alle Tische belegt sind.


 

Stefan Heilemann (Chef), Peter Lauterbach (Sous Chef), André Siedl (Patissier), Marc Bernhart (Gardemanger) Armin Rauscher (Entremetier), Michael Gollenz (Snack)

Informationen

 

Restaurant Ecco im
Hotel Atlantis by Giardino
Döltschiweg 234
8055 Zürich

Telefon: +41 44 456 55 33
E-Mail: ecco@atlantisbygiardino.ch

Öffnungszeiten:

Mittwoch bis Sonntag: ab 19 Uhr (letzte Bestellung 21:30)
Sonntag: auch ab 12 Uhr (letzte Bestellung 13:30)
Ruhetage: Montag und Dienstag

 

 

Besuch am 27.04.2016

 

Wir wurden zu dem Menu mit Weinbegleitung vom Hotel Atlantis eingeladen. FoodFreaks nimmt diese Einladungen gerne entgegen, da ansonsten ein Restaurantbesuch dieser Klasse wesentlich seltener möglich wäre. Dennoch schreiben wir unsere Meinung und lassen uns von der Einladung nicht beeinflussen!

FoodFreaks Bewertung

 

Kreativität Gerichte Genial
Qualität Zutaten Sehr gut
Präsentation Teller Phantasievoll
Weinangebot Umfangreich
Ambiente Fast zu stylisch
Service Ausgezeichnet
Preis/Leistung Sehr gut

 

 

 


 

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