[Restaurant] Clouds in Zürich

  • Clouds Zürich

Es fällt mir nicht leicht, etwas über das Clouds zu schreiben.

Deswegen brauchte dieser Eintrag auch etwas Zeit und ist recht lang geworden. Das Clouds wurde hoch gelobt, die Küche der zwei grossen Köche Antonio Colaianni und David Martinez Salvany, das Ambiente, die Aussicht. Das mit den zwei Köchen hat sich Ende 2012 geändert, Antonio Colaianni wurde im Clouds nicht glücklich und so zog er aus, ins Mesa. Aber das ist eine andere Geschichte. Geblieben ist der Spanier David Martinez Salvany. Ich hatte ihn bei der Podiumsdiskussion über das Thema Sensorik auf der Gourmesse 2013 gesehen, war gespannt auf das Ambiente, in dem er wirkt.

Die erste Ernüchterung kam bereits mit der Reservierung. Wir hatten unter der Woche für 18:30 reserviert. Erst in der Bestätigungsemail kam dann die Information, dass wir nur 2 Stunden Zeit hätten für das Essen. 2 Stunden? Für ein Gourmet-Menu? Was ist denn das für eine Hetzerei? Auf Nachfrage erhalten wir dann doch einen anderen Tisch, den wir von 19.30 Uhr an besetzen dürfen, so lange wir wollen.

Vor dem imposanten Haus dann in den gesonderten Eingang, Jacken abgeben, hochfahren. Im 36. Stock angekommen kommt schon die nächste Ernüchterung. Im riesigen Blumenarrangement am Eingang liegen verwelkte Blüten, hässliche Steckdosen sind sichtbar, in der Decke sind Haken noch von der vorigen (oder vorvorigen) Dekoration, am Boden sind Platten gebrochen und dreckige, unsauber gearbeitete Fugen, ich habe eher den Eindruck, ich bin in einem in die Jahre gekommenen 3-Sterne-Hotel als in einem neuen Gebäude in Zürich. Das mag übertrieben klingen, aber wir hatten etwas anderes erwartet.

Wir werden zum Tisch geführt, hoffen innerlich auf einen Fensterplatz. Leider werden wir an einen Tisch mitten im Raum platziert. Wir sitzen nur 5 cm neben unseren Nachbarn und durch die ungünstige Stellung der Tische (man sitzt sich gegenüber, aber über die Längsseite!), stellen wir uns gleich darauf ein, dass wir für den heutigen Abend auf diskrete Gespräche besser verzichten.

Die Karte ist sehr umfangreich und bietet spannende Variationen. Das Menu sagt uns spontan nicht zu, also wählen wir à la carte:

Er:

  • Karamellisierter Ormalinger Schweinebauch mit Aal-Praline und weissem Bohnenpüree [CHF 27]
  • Maultaschen gefüllt mit Andeerer Traum-Bergkäse und Spinat serviert mit Kalbsmilken [CHF 26]
  • Taubenbrust mit Marroni-Farce auf Süsskartoffelpüree mit sautierten Trompetenpilzen und Spinat [CHF 56]

Sie:

  • Allerlei Randen mit St. Maure Ziegenkäse und Erdnüssen [CHF 26]
  • Rindstatar mit Mark und Trüffelschaum [CHF 24]
  • Poulet-Entenleber Terrine auf grünen Bohnen mit Mirabellen [CHF 20]

Amuse Bouche

Starter

Starter

Im Amuse Bouche schmeckt man die Heimat des Kochs: ein phantastischer spanischer Rohschinken, zart und würzig, sehr aromatisch. Gut dazu waren die Tomaten-Bruschetta, weniger die begleitenden faden Oliven, schade.


Ormalinger Schweinebauch

Ormalinger Schweinebauch

Ormalinger Schweinebauch

Der Start des Menus mit dem Ormalinger Schweinebauch war dann leider eine Enttäuschung. Unter „karamellisiert“ verstehe ich, dass die obere Haut knusprig und damit im starken Gegensatz zum weichen Fett des Bauches steht. Doch davon keine Spur, die Haut war genauso weich wie das Fett. Das Bohnenpüree, der rohe Rotkohl, auf dem die Aal-Praline drapiert war, ein Apfelschnitz anbei, wir waren gespannt, wie das harmoniert. Leider gar nicht.


Randenvariationen

Randenvariationen

Randenvariationen

Die Randenvariation wurde am Tisch mit einer Meerettich-Sauce begossen – deren leichte Schärfe bildete einen geschmacklich schönen Gegensatz zu der Süsse der Randen. Schön dabei auch die gerösteten gesalzenen Erdnüsse und die frischen Ampferblätter. Insgesamt ein runder Gang, dem ein wenig mehr Phantasie aber sicherlich nicht geschadet hätte.


Maultaschen

Maultaschen

Maultaschen

Nach einer kurzen Pause ging es direkt weiter. Leider enttäuschen mich die Maultaschen und ich muss feststellen, dass ich das Falsche gewählt habe. Vorgestellt hatte ich mir eine leicht-luftige Käsefüllung in den Ravioli mit etwas gedünstetem Spinat und Kalbsmilken als Kontrapunkt. Aber es kamen mit Spinat und Käse gefüllte Ravioli, geschmacklich nicht speziell, mit Milkenstücken unter einem bedeutungslosen Schaum.


Tartar mit Trüffelschaum

Tartar mit Trüffelschaum

Tartar mit Trüffelschaum

Eine geschmacklich hervorragende Vermählung war hingegen das Tatar mit Mark und Trüffelschaum. Jeder Bissen ein intensives Geschmackserlebnis, das aufgrund der ausgezeichneten Zutaten Freude gemacht hat.

Nur kurz nachdem die Teller abgetragen wurden, wurde dann gleich der nächste Gang aufgetragen. Die Gäste sollen wohl möglichst schnell abserviert werden, um dann dem Nächsten Platz zu machen. Das mag für die Restaurant-Betreiber ein ökonomisch wirksames Konzept sein – gastronomische Geniess-Erlebnisse werden dadurch aber weitgehend verunmöglicht. Hierbei ist es im Übrigen auch nicht hilfreich, wenn man an einem (kurzen) Abend von einer Vielzahl von Personal bedient wird. Wir konnten so mindestens fünf der Bedienungen des Clouds kennenlernen…


Taube

Taube

Taube

Den Hauptgang mit Tauben und Marronifarce hatte ich richtig gewählt. Die Marronifarce war unter der Haut der Tauben versteckt und harmonierte ausgezeichnet zum Fleisch. Die Taube war auf einem Süsskartoffelpüree angerichtet, daneben der Spinat und die Trompetenpfifferlinge.

Der dunkle aromatische Jus wurde am Tisch auf den Teller gegossen und netterweise wurde uns auf Nachfrage das Aufgiess-Kännchen überlassen, so dass wir den Jus mit dem ausgezeichnetem Brot restlos aufgetunkt haben.


Poulet-Terrine

Poulet-Terrine

Poulet-Terrine

Die Poulet-Terrine war gut, ein Geschmack nach französischem Landleben, dazu reife Marillen und ein raffinierter Kräutersalat, unter anderem mit frischem Estragon. Leider war dieser Gang kalt und hat von der Menu-Abfolge her nicht als dritte Vorspeise gepasst. Es wäre schön gewesen, wenn die Bedienung bei der Aufnahme der Bestellung einen Änderungsvorschlag gemacht hätte. Aber für derartige Feinheiten bleibt im Clouds wohl keine Zeit.


Wein

Wein Telemaco

Wein Telemaco

Ein grosses Lob hingegen hat sich der Sommelier verdient. Dieser hat fundiert und mit viel Fachkenntnis beraten, hat unsere Wünsche berücksichtigt und uns eine grosse geschmackliche Überraschung präsentiert. Der Telemaco ist mineralisch und rauchig, mit vielen unbekannten Noten sicherlich kein Wein für jedermann und zudem einer, der ein starkes Essen dazu braucht, aber ein geschmackliches Erlebnis, welches nicht so schnell vergessen geht. Aus ligurischen Steilküsten und alten Trauben, ein ungefilterter Wein aus einem Nebenbei-Hobby eines bekannten Winzers, pro Jahr werden nur 600 Flaschen davon hergestellt. Wirklich eine Entdeckung.

Ligurien 2011 Campogrande | Telemaco | Bosco, Albarola [CHF 120]


Ambiente

Was auch nicht schnell vergessen geht ist die furchtbare Musik, die uns an dem Abend dann doch viel früher aus dem Clouds getrieben hat, als wir das geplant hatten: den gesamten Abend lief als Hintergrundmusik eine extrem unruhige und schnelle Musik. Bei Musik scheiden sich bekanntlich die Geister und es gibt viele unterschiedliche Vorstellungen, auch darüber, was zum Essen passt. Was aber ganz sicher nicht passt ist das, was an diesem Abend musikalisch im Clouds serviert wurde. Als wir versuchten, uns vorsichtig zu beschweren, war die Antwort der Bedienung: „wunderbar, wunderbar“. Sie hatte wohl nicht richtig zugehört.

Sowohl auf Käse als auch auf Kaffee haben wir dann verzichtet. Dennoch wurden uns als süsse Überraschung zur Rechnung Pralinen gebracht, was wir als sehr grosszügig empfanden. Leider waren die Schokoladentrüffel dann wirklich ausserordentlich schlecht.


Fazit

Für ein Essen in geselliger Runde ist man im Clouds gut aufgehoben. Die Sicht ist phantastisch, das Personal aufmerksam und schnell, die Preise, inbesondere beim Wein, moderat. Wer kulinarische Herausforderungen sucht und etwas persönlicher betreut werden möchte, für den ist das Clouds nicht die richtige Adresse.

PS:
Die Fotos sind grauenhaft, ich weiss. Bei dem Licht war es leider kaum möglich, bessere Bilder zu machen. Und Blitzen möchte ich nicht, das Fotographieren alleine finde ich schon unanständig. In Wirklichkeit sahen die Teller wirklich perfekt aus. Dennoch geben auch diese Fotos zumindest einen vagen Anhaltspunkt. [Datum: 14.10.13]

 

3 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Langenegger

    Wir bedauern zu lesen, dass Ihr Besuch bei uns nicht Ihren Erwartungen entsprochen hat. Gerne möchte ich zu einigen Punkten kurz Stellung nehmen. Das Double-Seating (Verfügbarkeit der Tische für 2h) gilt nur für die ersten beiden Zeiten um 18.30 bzw um 19.00. Wir sind bei dem Entscheid einen Teil unserer Tische zweimal zu vergeben der Nachfrage unserer Gäste nachgekommen. Viele Gäste geniessen bei uns 2- bis 3-Gänge oder haben im Anschluss noch etwas anderes vor. Diese Gäste sind mit einem frühen Tisch für 2 Stunden sehr zufrieden. Alle anderen rufen, wie Sie, kurz an und erhalten selbstverständlich die Möglichkeit so lange zu bleiben, wie sie möchten.

    Der Terrazzo Boden mit seinen Fugen und Rissen war tatsächlich ein grosses Thema bei uns, wie auch im ganzen Gebäude. Wir im CLOUDS konnten das letzte Woche in Angriff nehmen, er wurde komplett geschliffen und die Fugen neu gezogen. Der Turm bewegt sich bei starkem Wind bis zu 30 cm, diese Tatsache hat man bei der Auswahl der Materialen bedauerlicherweise etwas unterschätzt.

    Das mit den Frischblumen tut mir leid, das darf nicht passieren.

    Wie Sie in Ihrem Fazit treffend bemerken, sind wir kein Gourmet-Lokal, welches kulinarische Herausforderungen bieten will. Wir sind der Ansicht, dass unsere Gäste tagtäglich genügend Herausforderungen meistern müssen, deswegen leben wir Casual Dining mit sehr guten Produkten, einer ausgesuchten Weinkarte und urbaner, zeitgemässer Gastfreundschaft.

    Freundliche Grüsse
    Magnasch Joos
    Geschäftsführer CLOUDS

  2. Autor
    Christian 29. Oktober 2013 Antworten

    Sehr geehrter Herr Joos,

    Vielen Dank für Ihr Feedback und Ihre Anmerkungen, die sehr wichtig sind, um die Situation besser zu verstehen. Dazu noch kurz eine Rückmeldung von meiner Seite: Eine Reservierung bei den früheren Abendstunden für nur 2 Stunden ist aus Ihrer Sicht absolut nachvollziehbar. Kritikpunkt war eher, dass man es erst bei der Bestätigung erfährt und ich hätte es fast überlesen und dann am Abend die Überraschung bemerkt. Ein kleiner Hinweis auf der Webseite würde das Missverständnis ausräumen. Es gibt sicher auch etliche Personen, die eben nicht noch mal anfragen, ob eine Verlängerung möglich sei.

    Es mag sein, dass sich das Clouds nicht als Gourmet-Lokal bezeichnet. Da aber zumindest zu Beginn gleich zwei herausragende Köche die Küche des Clouds dirigierten schien es, dass man auf diesen Aspekt grössten Wert legt. Vielleicht hat sich das geändert oder vielleicht war das auch nie der Ansatz, dann sind wir einfach mit einer falschen Erwartungshaltung gekommen.

    Viele Grüsse
    Christian Franck

    P.S.: Einen Herrn Langenegger gibt es bei FoodFreaks nicht.

  3. Sehr geehrter Herr Franck

    Besten Dank für Ihr Feedback. Wir werden das mit dem Hinweis auf der Website in Angriff nehmen. Das ist ein guter Punkt.

    Beste Grüsse aus dem CLOUDS
    Magnasch Joos

Hinterlasse Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.