[Hotel] Lenkerhof

Die Geschichte

Zu behaupten, der Lenkerhof sei zentral gelegen wäre in erster Linie eines: falsch. Der Lenkerhof liegt weder zentral in Lenk (was positiv ist, so hat man am Waldrand seine Ruhe) noch liegt er zentral an einer Durchgangsroute. Man könnte sogar sagen, er liegt in einer Sackgasse. Zumindest rein geographisch. Das ist auch gut so. Das war aber nicht immer so.

Der Lenkerhof ist zwar noch immer an der gleichen Stelle wo er schon früher war, aber die Durchgangsrouten haben sich geändert. Als der 30-jährige Krieg erst ein paar Jahre zu Ende war, Ludwig der XIV. Frankreich zur Grossmacht führte und man sich in Deutschland beim pfälzischen Erbfolgekrieg die Köpfe einschlug, hatte man in Lenk anderes zu tun. Man beantragte 1689 eine offizielle Badekonzession und baute ein Badehaus. Der ursprüngliche Handelsweg sollte nun auch einer touristischen Nutzung erschlossen werden. Damals ging es von Lenk über den Rawilpass hinüber ins Wallis, Vieh und Käse wurde geliefert, vom Wallis kam Wein zurück. Beschwerlich war der Weg  damals, heute fährt man mit dem Bahnverlad von Kandersteg ins Wallis, der Weg über Lenk ist zur Sackgasse geworden. Und hat zu einer wunderbar beschaulichen Ruhe geführt, die man heute selten findet.

Das Hotel

Der Hotelbetrieb aber war alles andere als eine Sackgasse. Das Badehaus hat sich den Zeiten immer angepasst und hat so einige Hoch und Tiefs erlebt. Der jetzige Besitzer Jürg Opprecht hat es 2002 aus einem dieser Tiefs wieder in ein Hoch gebracht, zusammen mit einem äusserst starken Team, das eigentlich nur eins im Kopf hat: dem Gast einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Und das ist ausnahmsweise keine Floskel aus irgendeinem Werbeprospekt, sondern gelebte Realität.

Im Zentrum standen schon immer die beiden im alpinen Raum stärksten Schwefelquellen Hohliebiquelle und die Balmenquelle. Mit ihrem 8 Grad kalten Wasser bringen sie das heilende Schwefelwasser, das mit hohem Aufwand erwärmt wird. Damals gab es Trinkhalle, Inhalationsraum und Verstäubungssaal, heute den Spa. Schon damals war es Luxus, nur die Aufenthaltsdauer hat sich verändert. So blieb man um 1850 doch gleich mal die ganzen drei im Sommer geöffneten Monate im Hotel, was heutzutage jeden Hoteldirektor in Verzückung bringen würde. Inzwischen sind es im Durchschnitt eher 2-4 Tage. Um es vorweg zu nehmen, hätten wir 3 Monate Zeit gehabt, wären wir auch gerne so lange geblieben!

Das Konzept

Kann ein 5-Sterne-Hotel jugendlich sein? Was ist überhaupt jugendlich? Sagen wir, dass Jugendlichkeit keine strengen Normen kennt, einen etwas unkonformen Umgang pflegt, keine Vorurteile hat, offen ist für Neues und begeisterungsfähig. Einerseits ist der Lenkerhof ein gut situiertes 5-Sterne-Hotel voller angenehmem Komfort, und doch spürt man überall die Idee, das jugendlichste 5-Sterne-Hotel zu sein. Das fängt bei der Rezeption an, bei der man höflichst und zuvorkommend mit heissen Tüchern und einem kleinen Punsch begrüsst wird und sich dann unorthodox in breite Sessel fallen lassen kann, während das übliche Schreibprozedere abgewickelt wird.

Auch in den beiden Restaurants, im Spa und sonst im Hotel herrscht ein überaus freundlicher Umgangston, nicht nur zum Gast, sondern auch untereinander. Als Gast spürt man, dass man sich in der ganzen Belegschaft mit Freundlichkeit und Respekt begegnet. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit und fällt daher umso angenehmer auf. Jan Stiller, der Direktor, erläutert uns sein Konzept: der Gast soll geniessen und sich wohl fühlen, ganz egal wo er herkommt oder welcher Gesinnung er ist. So findet man bei den Gästen neben Turnschuhen und Sweatshirt auch Anzug und Lederschuhe. Beides ist hier akzeptiert. Man fühlt sich wohl!

Die Zimmer

Uns wurde eine schöne Suite in der vierten Etage des neuen Hauses reserviert. Durch einen ruhigen, nach Norden ausgerichteten Gang erreichen wir ein äusserst ansprechendes, sehr schön gestaltetes und geräumiges Zimmer. Die atemberaubende Aussicht auf imposante Berge lässt sich vom Balkon aus und sogar direkt aus dem Bett geniessen. Bei der stilvollen Einrichtung wurde nicht gespart; uns fallen besonders die edlen Lampen von Catellani & Smith auf, die im Zimmer und überall im Haus die Atmosphäre in goldenem Licht erscheinen lassen. Das Bad ist ebenfalls angenehm geräumig und mit allem erdenklichen Komfort ausgestattet. Ein netter Trick: eine Glasscheibe zwischen Bad und Zimmer kann auf Knopfdruck in undurchsichtiges Milchglas verzaubert werden.

Die Weinprobe

Auf Wunsch beginnt der Abend im Lenkerhof früh, denn täglich um 18 Uhr wird in den Keller geladen, wo der kenntnisreiche Sommelier (und F&B Manager) Raphael Balthasar die drei empfohlenen Weine des Abends vorstellt: Rot, Weiss und Süss. Über 290 Positionen lagern im Keller, ungefähr 3000 Flaschen Wein. Es wird Wert gelegt auf die Schweizer Region, aber auch internationale Weine fehlen nicht, und es werden interessante Hintergrundinformationen zu den verkosteten Weinen erläutert.

Wir degustieren einen Savignon Blanc von Charles Steiner aus Schernelz am Bielersee. Nach Stachelbeeren und Grapefruit duftend hat er eine fruchtig-frische Note und eine kräftige Säure. Anschliessend probieren wir einen schönen sizilianischen Nero D’Avola/Frappato vom Weingut Cerasuolo di Vittoria der Azienda Agricola Cos. Hergestellt von zwei Brüdern, die sich dem regionalen Agrartrend widersetzen und statt dessen wieder den alten Weinbau pflegen. Die neuen Weine werden sogar wieder in traditionellen Amphoren ausgebaut. Als Abschluss wird eine köstliche Föhnbeerenauslese aus Pinot Gris von Donatsch aus dem Bündnerland vorgestellt. Ein ausgesprochen angenehmer Süsswein, der nicht durch Süsse erschlägt sondern eine leichte Säure und ein reiches und volles Aroma behalten hat. Dessen Beeren werden als Spätlese im September/Oktober geerntet, dann aber noch zwei Monate im Föhn liegen gelassen. So kann sich die Süsse schön entwickeln. Interessante Tropfen und ein schöner Einstieg in den Abend, der uns auf das Essen gespannt macht.

Die Restaurants

Ein Restaurant wird geprägt durch den Koch und durch die Atmosphäre. Beides ist im Lenkerhof auf sehr hohem Niveau zu finden, und zwar an ganz unterschiedlichen Orten. Im Gourmet-Restaurant „Spettacolo“ finden 150 Personen Platz. Dennoch ist das Restaurant derart gut aufgeteilt, dass man sich in jedem Bereich sehr gut aufgehoben fühlt. Im stärker auf mediterrane Speisen ausgelegten „Oh de Vie“ wird in kleinerem Rahmen, aber ebenfalls ausgezeichnet gekocht. Dann gibt es da noch den „kleinen Prinzen“, ein separates Restaurant für die Kinder, ansprechend hergerichtet und für die Kleinen sehr einladend. Das ist ein Service, den sicher nicht nur wir als Eltern schätzen, sondern auch die anderen Gäste, die dadurch in ihrem Restaurant in Ruhe essen können. Abgerundet wird das Restaurant-Angebot schliesslich noch durch das Restaurant Bühlberg, das zwar auch zum Hotel gehört, sich aber hoch oben in den Bergen befindet, nämlich an der Bergstation des Skigebiets Adelboden-Lenk, gleich auf der anderen Seite des Tals.

Wir durften bei unserem Besuch im Spettacolo ein überaus leckeres, kreatives und ausgezeichnetes Menu geniessen, kombiniert mit einer Weinreise, die einige Überraschungen bereit hielt. Das Prinzip des Abendmenus ist denkbar einfach und dennoch genial. Jeden Abend gibt es 15 Gerichte, aus denen man beliebig viele auswählen kann. In der Halbpension ist das eingeschlossen, Gourmets von ausserhalb bezahlen pro Gang. Die 15 Gerichte werden übrigens nicht alle 1-2 Monate ausgetauscht, sondern jeden Tag. Was für eine enorme Leistung der ganzen Küchenbrigade! Über unser Menu haben wir gesondert berichtet: Restaurant Spettacolo.

Am nächsten Morgen wartete noch eine Besonderheit auf uns, wir konnten mit Chefkoch Stefan Lünse und Sous-Chef Leo Ott ein Gericht kochen, das ihr hier findet und gleich nachkochen könnt.

Das Frühstück

Muss man das Frühstück in einem Hotel in einem gesonderten Abschnitt beschreiben? Ja, in diesem Fall schon. Das Frühstück ist schlicht umwerfend! Und das sagt jemand, dem eigentlich ein Cappucchino und ein Cornetto in einer italienischen Bar das Liebste ist.

Auf dem Weg ins Restaurant, das auch als Frühstücksraum dient, kommt man vorbei an diversen regionalen Wurst-Spezialitäten und einer reichhaltigen Käseauswahl. Im nächsten Raum warten Fischfilets und Krabben sowie aufgeschnittenes Gemüse, Eier mit Speck, eine riesige Auswahl an Broten, 18 verschiedene Serials und Trockenfrüchte, regionale Butter und hausgemachte (!!!) Marmeladen, diverse Fruchtsäfte und Früchte sowie schliesslich Müsli und Yoghurt-Cremes. Ach ja, die Pankakes mit Sirup habe ich vergessen. Die haben wir leider auch vergessen zu probieren. So haben wir schon einen Grund, wieder zu kommen.

Der Spa-Bereich

Es gibt wohl kaum etwas, das man im 7sources beauty & spa nicht findet. In der Saunalandschaft gibt es die Schwefelgrotte, Finnische Sauna, Kräutersauna, Biosauna, Eisgrotte, Steinölsauna und das Dampfbad. Das Innenbad lädt mit 28 ℃ zum Schwimmen ein, der Aussenpool mit 34 ℃ eher zum Relaxen. Mitte März war es speziell, da fahren unterhalb des Pools die Skifahrer vorbei. Die Piste führt direkt durch den Hotelgarten.

Die Behandlungen und das Beauty-Programm schliesslich sind so umfassend, dass wir nur auf die Webseite des Lenkerhof verweisen können, da es an dieser Stelle den Rahmen vollkommen sprengen würde!

Fazit

Was soll man nach den oben genannten Ausführungen als Fazit noch sagen. Es gibt viele Gründe, die es alleine schon wert sind, in dieses Hotel zu kommen. Zusammen genommen machen sie den Lenkerhof ein absolut empfehlenswertes Ziel. Geht man frei nach dem Wording des Michelin könnte man sagen, es ist nicht nur einen Umweg wert, sondern gleich eine Reise.

Für uns ausschlaggebend ist jedoch ein Grund, wieder zu kommen. Die Menschlichkeit steht doch bei allen Beziehungen im Vordergrund. Man spürt hier, dass man willkommen ist. Und das spürt man nicht in vielen Häusern.

Wir möchten uns an dieser Stellen ganz herzlich bei dem Direktorenpaar Jan Stiller und Heike Schmidt für die Einladung bedanken. Es hat uns ausgezeichnet gefallen und wir kommen gerne wieder.


 

Informationen

Hotel Lenkerhof gourmet spa resort

Badstrasse 20
CH-3775 Lenk im Simmental

Telefon: +41 (0)33 736 36 36
Telefax: +41 (0)33 736 36 37

E-Mail: welcome@lenkerhof.ch

Webseite

Besucht am 15.03.2015

Lage des Hotels

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