Enttäuschung aus Siziliens Küchen

Es gibt 3 Gründe, nach Italien zu fahren: Landschaft, Menschen, Essen. Die Wichtigkeit ergibt sich aus der umgekehrten Reihenfolge. Wohl jeder, der in Italien war, hat in Trattorien herrlich geschmurgelte Kaninchen gegessen, sich an einer Spaghetti Vongole ergötzt oder die Scaloppine auf dem Mund zergehen lassen. In einem Land, in dem man die Menschen hinter der Metzgertheke allein schon deshalb bemitleidet, weil sie sich bei den riesigen Schinken doch eigentlich einen Bruch heben müssten.

Und genau dieses Land hat uns, nach nur 2 Tagen schon 2 mal enttäuscht. Ob jemand kochen kann in der Küche, das sieht man meist an den „einfachen“ Gerichten. In Spaghetti Vongole kommen Spaghetti, Vongole, Petersilie, Olivenöl, etwas Wein, Knobi, vielleicht etwas Zitrone. Das ist doch eigentlich nicht so schwierig. Und doch bekommt man eine richtige Vongole nur äusserst selten vorgesetzt. Das Gleiche gilt für Risotto, oder Pizza Margharita. An diesen Gerichten erkennt man, welche Zutaten der Koch verwendet. Ob er spart, oder das Beste kauft. In ein Risotto bianco kommt Reis (Carnaroli!), feinst geschnittene Zwiebel, Olivenöl, bester Hühnerfond, Parmesan und viel Butter. Eigentlich auch nicht schwierig, aber bei den zwei Restaurants in Scopello, dem Ristorante „la Zingaro“ und dem „la Terrazza“, hat man sich mit Reis und Wasser begnügt. Selbst unsere 6-jährige Tochter kann ein besseres Risotto auf den Tisch bringen.

Woran liegt das? Entweder war das Essen in vielen Restaurants schon immer so schlecht und wir sind mittlerweile einen so hohen Standard von zuhause gewohnt, dass auswärts essen praktisch immer in einer Enttäuschung enden muss. Oder der Standard der Restaurants ist tatsächlich gesunken. Das ist bei vielen Restaurants fast anzunehmen. Die Zutaten werden immer billiger, die Produktion der Lebensmittel immer schlechter und durch Normen wird alles einheitlicher. Das Resultat zeigt sich in jedem Gasthaus, in jedem Restaurant, in jedem Ristorante, gleich ob in Deutschland, Frankreich oder Italien. Auf dem Land zu essen ist kein Garant mehr für gute Küche. Denn die Tiefkühllieferanten der EU-genormten Einheitskost beliefern schnell und per Internet verfolgbar auch in die letzten Winkel der Republiken, auch derjenigen, die absurderweise ihre Kost als Unesco-Weltkulturerbe unter Schutz gestellt haben. Zeit, dass auch Spätzle als Weltkulturerbe eingetragen werden sollten.

Aber wir sind noch in Italien, und es stellt sich die Frage, ob wir noch einen Versuch wagen sollen. Noch ein Ristorante, ober besser eine Trattoria, Hoffnung auf bessere Vongole, nervöses Warten am Tisch, während die Kinder schreiend zwischen den Tischen wuseln und man anschliessend mit einem Kind auf dem Schoss versucht, Muscheln zu schlürfen und gleichzeitig die Spaghetti mit der Gabel aufzudrehen. S. meinte bei den letzten Muscheln, durch den vielen Sand im Gericht hätten sie immerhin etwas Substanz……. . Eigentlich lustig, würde man doch nicht gerade seine letzte Illusion dabei begraben.

Wir entscheiden uns schliesslich für die grösste Risikominimierung: Espresso. Der hat uns in Italien noch nie enttäuscht, und erweist sich auch dieses mal wieder als würdig!

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