Detox – Selbstversuch

Solidarität ist wichtig. Auch in der Beziehung. S. hat am Wochenende lange im Internet nach Detox gesucht und letztlich auf der Webseite von Annabelle einen Artikel mit dem Namen „Detox for Fun“ gefunden. Sie fand die Idee gut und wollte gleich nach den Ostereiern starten. Ich bin dabei, habe ich leichtsinnigerweise gesagt, ohne mir das Kleingedruckte noch mal in Ruhe durchzulesen. Da stand was von energiereich (kann ich gebrauchen), perfekter Teint (aha?), Verbesserung der Konzentration (sehr willkommen), gestärktes Immunsystem (ob das auch für Eltern gilt, wo die Kinder doch alle Nase was aus der Krippe anschleppen?) und Verlangsamung des Alterungsprozesses (toll, nach nur 2 Tagen Detox). Das hätte mich stutzig machen sollen. Auch, dass der Titel „… for Fun“ heisst, bei Fenchel-Apfel-Peterle-Saft zum Frühstück? Was ist da bitteschön Fun? Oder meinen die den stundenlangen Einkauf, bei dem man durch die Regale irrt, um eigenartige Sachen wie Reismilch oder Acerolasaft zu finden. Und die Rubrik des Artikels unter „Gourmet“? Hat sich da nicht jemand vertan?

Nun gut, wir haben gestern Abend gestartet mit gebratenem Gemüse mit wenig Öl und wenig Sojasauce, Ingwer und Kurkuma, das war ok. Als Vollreis habe ich im Keller noch eine Packung Riso Venere gefunden, ein schwarzer Reis aus Italien, der sehr herzhaft und lecker ist. Nach Kochen, Essen und Küche machen noch die Vorbereitung für den nächsten Tag, einweichen von allerlei Samen und Kernen und Mandeln in Wasser einlegen.

Der Morgen beginnt mit Kopfweh, was aber nicht unbedingt mit dem Essen zu tun hat. Zuerst ein Glas lauwarmes Wasser mit ausgepresster Zitrone. Huuuhh, besser gleich wieder ins Bett. Doch da kommt auch gleich der Fenchel-Apfel-Peterli-Saft aus der eigenen Saftpresse. Es ist auszuhalten, aber kein Fun. Die Samen, Kerne, Mandeln, Apfel mit Reismilch machen wir warm und pürieren es. Müsli muss man ja schon etwas kauen, aber dieses Gemisch ist unglaublich. Pro Löffel bald hundert Mal kauen. Da kommen fast die Kinder zu spät in die Krippe, wenn man alles gut kauen möchte. Dazu Grüntee mit Ingwer, gegen unseren leckeren Kaffee hat das aber keine Chance. Aber die Kaffeemaschine bleibt heute kalt.

Im Büro eine kleine Flasche Saft, Acerolasaft haben wir nicht gefunden, also Preiselbeeren und was anderes, auch teuer und sicher gesund. Mittags erst Kohlrabisuppe mit Sojamilch, dann gedämpftes Gemüse und wieder Reis. Die kalte Sauce dazu ist nicht uninteressant: Zitrone, Senf (ich nehme schönen Nuss-Senf), frischer Ingwer, Mandelpüree, Schalotte und Knobi etwas angedünstet, Wasser, Öl, Kerbel haben wir leider nicht. Das alles pürieren. Ist mal was Anderes.

Der Nachmittag wird mit gedämpftem Apfel und Papaya, püriert, abgerundet. Abends dann Lauch, schnell und heiss in wenig Öl gerührt, dazu rohen Lachs in Sushi-Qualität in kleine Würfel schneiden, mit Limone und etwas Öl „garen“, mit Koriander, grünem Pfeffer und frischem Chili abschmecken (siehe Bild). Das hat mich an ein Gericht erinnert, das wir auch schon auf einer Hochzeit gekocht haben, damals aber mit Campari-Kaviar auf dem Lachs.

Morgen geht es noch weiter, Dinkelbrot mit Mandelpuree und Sprossen zum Frühstück, Kürbis-Suppe zu Mittag (Kürbis hat es nicht mehr, wir nehmen Süsskartoffeln), danach Quinoa mit Gemüse, Abends Grillgemüse mit Büffel-Mozzarella.

Zusammenfassend kann ich jetzt schon sagen, dass es eine interessante Erfahrung ist. Ich habe noch nie eine Diät gemacht, kann aber nun nachvollziehen, was das heisst. Ich denke ständig an in viel Butter angebratene Fleischstücke in Sahnesaucen, an ein Feierabendbier, an Ostereier oder ein grosses Glas Milch. Oder was auch immer. An alles andere als das oben Beschriebene. Für mich hört es morgen Abend auf, S. will noch weiter machen. Da werde ich mir ein paar  Gerichte überlegen müssen, die besser schmecken und trotzdem kalorienarm sind. Und was ist mit dem Entgiften, für das man ja Detox macht? Da habe ich einen interessanten Artikel dazu gefunden: Was ist dran an der Detox-Methode? Und diesen: Fasten – Die Mär vom Entschlacken

Selbstversuch überstanden – bis jetzt.

2 Kommentare

  1. KK 12. April 2012 Antworten

    …na hoffentlich braucht man nach Detox kein Botox. Zitroniges Lauwarmes gegen espresso am Morgen eintauschen? Never ever. Aber ich bin beeindruckt vom engagement. Gespannt, wie es weitergeht?!

  2. admin 12. April 2012 Antworten

    Leider habe ich es nicht ganz geschafft. Ich habe meiner Tochter heute beim Abendessen ein paar Nudeln geklaut… Morgen ist das für mich beendet, aber ich habe grosse Hochachtung vor jedem, der sowas länger durchzieht!

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